Hintergund

Vor kurzem haben mein Kollege Marco und ich ein leeres Fass zur Wiederbelegung in Bad Dürkheim geordert. Da wir eine Abholung vor Ort planten, bot es sich an, einen kleinen Zwischenstopp im selben Ort einzulegen. Denn direkt in Bad Dürkheim befindet sich eine Whiskybrennerei, die bei Genießern einen hohen Stellenwert hat – Saillt Mór!

Die Brennerei Saillt Mór

Die eigentliche Destillerie ist auf das Jahr 1602 zurückzuführen. So lange wird dort natürlich noch kein Whisky gebrannt. Erst seit einigen Jahren legt man dort einen beachtlichen Fokus auf das Wasser des Lebens, wovon Marco und ich uns vor Ort einen Eindruck verschaffen wollten. Wir wurden freundlich von Ralf Hauer, dem Inhaber empfangen, der grade von einem seiner Weinberge kam. Während er uns das Brennhaus zeigte und in Erzählungen verfiel merkte man sofort, dass er mit Leib und Seele seinen Bad Dürkheimer Whisky produziert. Die Destillation an sich passiert auf einer Anlage von Kothe. Das Malz für die nicht-rauchige Qualität stammt aus Deutschland, das über Torfrauch gedarrte Malz aus Schottland. Im Regelfall brennt Ralf Hauer seinen Spirit auf der ersten Brennblase, danach geht es wie in Deutschland üblich in die Kolonne. Anders wird das beim rauchigen Destillat gehandhabt, denn hier verzichtet der Inhaber auf die Zuschaltung der Kolonne und destilliert den New Make auf der ersten Brennblase ein zweites Mal. Dies passiert aus einem bestimmten Grund, denn laut eigenen Erfahrungswerten gehen die feinen Torfnoten in der Kolonne bei der Destillation verloren. Nachdem Marco und ich ein paar ordentliche Näschen der Gerste in sämtlichen Ausprägungen nahmen, ging es zusammen mit dem Inhaber in dessen Fasskeller…

Das Fasslager von Saillt Mór

Über den Shop stiegen wir eine Treppe hinab in den Keller. Dort angekommen, staunten wir nicht schlecht, denn dort lagen gefühlt deutlich mehr Fässer als zuvor angenommen! Direkt am Eingang des Fasslagers begeisterte ein großes, 500 Liter umfassendes Port Pipe – leider entleert. Ein weiterer Blick fiel auf zwei Fässer, die zuvor mit einem trockenen Fino Sherry belegt waren. Natürlich durften wir probieren und der sieben Jahre alte Whisky begeisterte sowohl Marco als auch mich. Einmal „angefixt“ durfte Marco noch weitere, spannende Fässer probieren. Ich roch nur an den Gläsern, denn ich musste schliesslich noch mein KFZ bewegen. Statt zu verkosten unterhielt ich mich sehr detailliert mit dem Inhaber. Dieser versicherte mir, dass es sehr schwierig für Ihn sei, dieses Jahr Whisky zu produzieren. Corona hatte seinen Teil dazu beigetragen und sämtliche Tastings, Führungen und Events zunichte gemacht. Dies spüre man in Bad Dürkheim stark und man könne aufgrund des Umsatzwegbruches wohl 2020 keinen Single Malt produzieren. Diese Tatsache ist meiner Meinung nach sehr zu bedauern, denn was ich bisher von der Brennerei im Glas hatte war hervorragend!

Der Shop von Saillt Mór

Nachdem wir den Fasskeller verliessen, betraten wir den Verkaufsraum der Brennerei. Dort präsentierte uns Ralf Hauer seine aktuellen Abfüllungen. Auf Nachfrage von Marco zauberte der Inhaber auch bereits vergriffene Whiskys seines Portfolios aus einem Schrank. Darunter war ein mit schottischem Torfmalz hergestellter und in einem ehemaligen Bourbonfass gereifter Single Malt Whisky. Ich kam nicht umher, diesen noch zu probieren – und es haute mich rückwärts aus den Schuhen! Eine derartige Qualität hatte ich nicht erwartet! Nicht von einer deutschen Brennerei! Das Bourbonfass wirkte harmonisch auf den Malt ein, gab ihm eine leichte Süße. Vielmehr förderte es aber den charakteristischen Torfrauch, der mich sofort an einen gut gemachten Islay-Whisky erinnerte! Hand auf’s Herz – dieser rauchige Whisky aus Bad Dürkheim war wohl mit das beste, was ich aus eigenem Land bisher im Glas hatte! Marco vergnügte sich derweil mit den Whiskys, die in frischer Eiche aus der Pfalz reiften. Was diese Holzart betrifft bin ich skeptisch, denn sie neigt dazu, sehr schnell sehr holzbetont auf den New Make und den späteren Whisky einzuwirken. Allerdings war der von Saillt Mór hier angenehm auf der Holzseite, erinnerte fast an einen Cognac! Elegant, filigran. Ja, auch der konnte sich sehen lassen. Schweren Herzens mussten wir die Segel streichen, denn wir hatten total die Zeit vergessen und mussten ja noch ein Fass abzuholen!

Fazit zum Besuch bei Saillt Mór

Marco und ich waren begeistert, nachdem wir die Brennerei verließen. Der Inhaber weiß was er tut, destilliert und reift mit Herz und Verstand. Und sympatisch ist er noch dazu! Die Qualität, die dort aus Bad Dürkheim in Form von Single Malt Whisky zu vernehmen ist, zählt für mich mit zu den besten, die dieses Land zu bieten hat! Ein Fass, dass dem rauchigen ähnelt, welches ich im Shop verkostete würde ich jederzeit selbst abfüllen – und ich hoffe, dies passiert in nicht allzu‘ ferner Zukunft! Einen Besuch der Brennerei Saillt Mór und deren Abfüllungen kann ich wärmstens empfehlen!

Euer Pat