Prolog

Der Whisk(e)y-Blog „Slàinte mhath, have a dram“ auf Facebook wird von Stefan Ufer und mir betrieben und dazu gehört auch, ab und an gemeinsam ein paar Whiskies zu verkosten, diese zu besprechen und auch über die Lage der Welt zu philosophieren. Jetzt war es spontan wieder soweit, denn der eine hat Kurzarbeit, der andere Urlaub und so war dann auch ein Treffen in der Woche möglich. Natürlich unter Einhaltung der Hygienevorschriften und dem gebührenden Mindestabstand.

Die Whiskies

Zehn Whiskies fanden ins Glas, zwei aus Irland, acht aus Schottland. Die Verkostungsreise führte uns über Glen Moray, 2x Hyde, Glencadam, Benriach, Bruichladdich, Linkwood, Bunnahabhain und Lagavulin schließlich zu Kilchoman.
Diese Whiskies werden nun hier beschrieben, beginnend mit den nicht rauchigen, ungetorften Whiskies.

Glen Moray

Den Anfang macht ein 10 jähriger Glen Moray „Weverkaat No. 5“ aus dem Hause Whisky Krüger, Holzbunge. Er reifte in frischen Bourbonfässern, wurde mit 46% Vol. abgefüllt und die Farbe entspricht einem hellen Honigton.
Nase: Fruchtig und verhalten süß, helle Früchte wie Trauben und auch Zitrus. Zitronenkuchen trifft es ganz gut.
Mund und Gaumen: Fruchtig, sehr trockener Weißwein, welcher den Mund vollkommen trocken legt. Die fruchtige Süße aus der Nase ist gänzlich verflogen. Auch hier wieder Zitrus und Riesling-Trauben.
Nachklang: Mittellang, fruchtig, immer noch trocken.
Fazit: Schön sommerlich fruchtig, vielleicht einen Tick zu trocken.

Hyde No. 7

Es folgt der Hyde No. 7. Hierbei handelt es sich um einen irischen Whiskey, welcher dreifach destilliert wurde und in Oloroso Sherryfässern reifte. Die Farbe entspricht einem Bernsteinton, er ist nicht kühlgefiltert und nicht gefärbt und kommt mit 46% Vol. in die Flaschen.
Nase: Fruchtig-würzige Sherrynoten, Trauben, Sauerkirschen, Pfirsiche, Orangen, Nüsse, Waldhonig. Dazu ein säuerliches Aroma, was ich zunächst nicht einordnen kann. Most trifft es dann aber ganz gut, leicht vergorener Traubensaft.
Mund und Gaumen: Wieder fruchtig-würzig, mit einer gehörigen Portion Nüssen und Sauerkirschen. Dunkle Schokolade und Pfeffer leiten den Nachklang ein.
Nachklang: langanhaltenden, wärmend, würzig, mit einer leicht pfeffrigen Schärfe und Schokolade.
Fazit: Etwas schwerer, leicht trockener Whiskey. Die Most-Noten gefallen mir nicht so.

Hyde No. 4

Als nächstes gelang der Hyde No. 4 Presidents Cask Rum Finish ins Glas. Er reifte in Ex-Bourbonfässern, bevor er in Rumfässern nachreifte. Er ist nicht kühlgefiltert und nicht gefärbt. In die Flaschen kam er mit 46% Vol. Die Farbe entspricht einem schönen Goldton.
Nase: fruchtig-süß, mit hellen, exotischen Früchten, wie Ananas, Pfirsich, Aprikose, dezent Vanille und Karamell. Weiße, reife Trauben sind mit von der Partie, ebenso süße, vollreife Kirschen. Auch hier habe ich wieder die Most-Note, aber viel dezenter als beim Hyde No. 7.
Mund und Gaumen: Ananas und ein Spritzer Zitrus, eher in Richtung Orangen, süße Kirschen, wieder Ananas und Pfirsiche, gesüßt mit Honig.
Nachklang: fruchtig-würzig.
Fazit: Ein fruchtig-süß-würziger Sommerwhiskey, der mir gefällt.

Glencadam

Einen Glencadam hatte ich noch nicht im Glas, Stefan auch nicht. Wir waren also beide gespannt und vorweg darf ich sagen, wir wurden nicht entäuscht sondern vielmehr angenehm überrascht. Der Whisky wurde vom UA Spirit & Cask Range in Verkehr gebracht. Er wurde am 23.02.2011 Destillerie, abgefüllt im Januar 2019, gefinisht im Sauternes Cask Nr. 9336. In die 300 Flaschen gelangte er ungefärbt und nicht kühlgefiltert mit 51% Vol. Die Farbe entspricht Gelbgold.
Nase: Sehr fruchtig, dezent floral, mit reifen Birnen, Äpfeln, Heu, frisch gesägtem Holz, im Hintergrund etwas Honig.
Mund: Helle Früchte, insbesondere wieder Birnen, aber auch Pfirsiche und reife, helle Trauben. Auch frisch gesägtes Holz finde ich erneut. Ein Anflug von Erdbeeren nehme ich wahr.
Nachklang: mittellang, fruchtig und süß, mit Ananas und einer leicht herben Note.
Fazit: Stefan und ich waren begeistert von diesem sommerlichen Whisky. Der Alkohol ist zu jeder Zeit schön eingebunden.

Benriach

Jetzt kommt eine Gruppenabfüllung der Facebook-Gruppe Hocksheads, welche Pat Hock hat abfüllen lassen. Es handelt sich dabei um einen 13 jährigen Benriach, der im Marsala Hogshead, Cask No. 4160, reifen durfte. Destilliert wurde er 2006, abgefüllt 2019. In die 254 Flaschen kam er mit 53,9% Vol., nicht kühlgefiltert und nicht gefärbt. Meine Flasche trägt die Nummer 222. Die Farbe entspricht einem dunklen Bernstein.
Nase: Der Whisky braucht etwas Zeit im Glas. Dann entfalten sich die Aromen. Süße, helle, wie auch dunkle Früchte aus dem Obstgarten, Aprikosen, Pflaumen, Trauben und Vanillezucker. Der Alkohol kitzelt in der Nase und sorgt für etwas Frische, bei dem sonst eher schweren Single Malt.
Mund und Gaumen: Recht mundfüllend, leicht trocken, aber auch fruchtig-süß präsentiert er sich. Pfirsiche und Honig geben den Ton an. Pflaumen, Nüsse und würzige Eiche kommen hinzu. Auch Vanille und Karamell blitzen hin und wieder auf. Eine pfeffrige Schärfe und dunkle Schokolade leiten den Nachklang ein.
Nachklang: Langanhaltenden und wärmend, fruchtig, ledrig, leicht trocken, mit würziger Eiche.
Wasserzugabe: Mit etwas Wasser macht er noch ein Stück weit mehr auf. Die pfeffrige Schärfe nimmt ab, ebenso die Pflaume, Beerenfrüchte kommen hinzu. Jetzt habe ich auch dezent Erdbeeren.
Fazit: Ein recht komplexer, schwerer Malt, den ich mir auch sehr gut an kalten Wintertagen, vor dem Kamin, vorstellen kann.

Bunnahabhain

Von Fränky Roock habe ich ein Sample Signatory Vintage Bunnahabhain 2007 12 Jahre bekommen, welchen wir als nächstes verkostet haben.
Er gehört zur Cask Strength Collection, wurde am 13.02.2007 destilliert und am 10.12.2019 abgefüllt. Reifen durfte er im 1st Fill Sherry Butt mit der Fassnummer 585. Abgefüllt wurde er in die 589 Flaschen mit 58.8 % Vol. Er ist nicht kühlgefiltert und nicht gefärbt. Die Farbe entspricht einem dunklen Goldton.
Nase: Süß und fruchtig mit viel Pflaumen, Trockenfrüchten und Zitrus. Leder, Eiche, Blütenhonig und dunkle Beeren kommen hinzu.
Mund und Gaumen: Die gleichen Aromen, wie beim Nosing, Nüsse, Salzkaramell und Röstaromen kommen hinzu.
Nachklang: Langanhaltenden und fruchtig, wieder Zitrus, Eiche aber auch geröstetes Malz.
Fazit: Ein Bunna geht halt immer. Sehr lecker und ausgewogen.

Bruichladdich

Es geht weiter mit dem unabhängigen Abfüller Anam na h-Alba. Es handelt sich hier um ein Bruichladdich, der im September 2006 destilliert und im Oktober 2018 abgefüllt wurde. Reifen durfte er zuvor im Sherry Hogshead.
Verkostet haben wir die Flasche 178 von insgesamt 225 Flaschen. In die Flaschen kam er mit 59,2% Vol. Er ist nicht kühlgefiltert und auch nicht gefärbt. Um so mehr beeindruckt die doch sehr dunkle Farbe, welche dunklem Mahagoni entspricht.
Nase: Dunkle Sherrynoten und ganz viele süße Rosinen. Dunkler Waldhonig und dunkles Karamell sowie dunkles Beerenkompott kommt hinzu. Würze und Eiche sind nur ganz dezent wahrnehmbar.
Mund und Gaumen: Wie auch schon beim Nosing überwiegen die süßen Rosinen. Dunkle Schokolade, Beerenfrüchte und Honig kommen hinzu. Er ist mundfüllend und das Mundgefühl ist sehr cremig.
Nachklang: mittellang und rosinig-süß, mit etwas Schokolade, Alpia Fruits kommt mir da in den Sinn.
Fazit: Ein Sherry-Brett, wie ich es mag und so ganz ohne Liebstöckel. Nicht sehr komplex aber einfach lecker.

Linkwood

Es folgen nun die rauchigen Vertreter dieser Whisky-Verkostung, beginnend mit dem Lightly Peated Linkwood, ebenfalls abgefüllt vom unabhängigen Abfüller Pat Hock. Dieser Single Malt ist 17 Jahre alt, destilliert im Juni 2002 und abgefüllt 2019, mit 53,7% Vol. Er ist nicht kühlgefiltert und auch nicht gefärbt. Die Farbe entspricht Gelbgold. Reifen durfte er in einem Bourbon Hogshead.
Nase: Süß, tropische Früchte, dominierend ist die Ananas, Pfirsich und Aprikose kommen dazu.
Mund und Gaumen: Auch hier die süßen, tropischen Früchte, etwas Honig, Nüsse und süße Eiche.
Nachklang: Süß, fruchtig, mittellang, die Ananas hält sich etwas länger.
Fazit: Fruchtig-süßer Sommerwhisky. Mir gefällt er sehr gut. Rauch hatte ich jetzt nicht. Da sind meine Geruchs- und Geschmackssensoren wohl nicht sensibel genug.

Lagavulin

Der zweite Raucher war der Lagavulin 8 Jahre. Er reifte im Ex-Bourbonfass und wurde mit 48% Vol. abgefüllt. Er ist nicht kühlgefiltert, wohl aber gefärbt.
Wir haben ihn bewusst hinter den Linkwood gesetzt, obwohl er weniger Alkoholstärke hat. Dies war auch die richtige Entscheidung, da der Rauch schon recht dominant ist.
Nase: Fruchtig, frisch, süße Zitronen und Orangen. Ingwer sorgt für etwas Schärfe. Würziger Tabak / Leder kommt hinzu, ebenso leicht maritime Noten und Lagerfeuerrauch im Wechsel mit leichten Noten von geräuchertem Speck.
Mund und Gaumen: würzig und fruchtig, wie schon beim Nosing. Waldhonig und Malz kommen hinzu.
Nachklang: Mittellang, rauchig, mit dezenten Fruchtnoten.
Fazit: Lecker. Sehr lecker.

Kilchoman

Der dritte Rauchige im Bunde war der Kilchoman Germany Small Batch. Das Besondere ist bei diesem rauchigen Whisky, dass er zu 70% aus Ex-Bourbonfässern, 5% Sherryfässern und 25% Portweinfässern vermählt wurde. Er ist nicht kühlgefiltert und nicht gefärbt. Er wurde mit 48.9% Vol. abgefüllt. Die Farbe entspricht einem dunkleren Goldton.
Nase: Toffee, Zitrusfrüchte und Vanille. Der Torfrauch ist zunächst kaum wahrnehmbar, kommt dann aber dezent zum Vorschein.
Mund und Gaumen: Gänzlich anders, als noch beim Nosing. Intensiver Torfrauch ist sofort präsent. Er ist mundfüllend, jetzt aber mit roten Beerenfrüchten, wie etwa rote Johannisbeeren. Vanille und dunkle Schokolade runden den Geschmack ab.
Nachklang: Langanhaltend, fruchtig, mit reichlich süßem Torfrauch.
Fazit: Auch lecker. Ein feiner Tropfen, welchen Kilchoman im Zuge der Serie „Small Batch Releases“ hier aufgelegt hat.

Gesamtfazit

Fünf Stunden haben Stefan und ich mit den Whiskies verbracht, wir hatten nicht in Gänze die gleichen Eindrücke und Aromen. Dies ist aber auch nicht verwunderlich, ist es doch immer eine subjektive Angelegenheit, wenn man Whiskies verkostet und beschreibt. Sehr oft waren wir aber auch der gleichen Meinung. Von einem Ranking habe wir abgesehen. Der Glencadam, der Bunnahabhain und auch der Bruichladdich waren aber schon herausragend in dieser Range, insbesondere bei den „Nichtrauchern“. Der Lagavulin konnte mich bei den Rauchern überzeugen, ebenso der Linkwood, wobei ich hier keinen Rauch verspürt habe.