Definition Sommerwhisky

Die meisten Whiskyliebhaber werden das kennen, es ist Sommer, die Sonne scheint und es ist tierisch warm. Normalerweise könnte man sich jetzt im Garten oder auf der Terrasse sich einen guten Whisky gönnen. Aber oft hat man bei solch warmen Temperaturen gar nicht so Lust auf heftige Sherrybretter. Also was für ein Whisky bietet sich da an?

Jeder hat da seine eigene Definition, was ein Sommerwhisky ist und welche Aromen er haben muss. Ich habe da zwei Ansätze was für mich persönlich ein Sommerwhisky können muss. Sitze ich einfach nur gemütlich in der Sonne, brauche ich einen milden Whisky, der viel Süße, Vanille, helle und exotische Früchte haben muss. Fruchtnoten die ich dann bevorzuge sind, Apfel, Orange, Mango, Ananas, Kokosnuss, Trauben, Pfirsich, oder Aprikose. Er darf auch einen mittleren Rauch haben, wenn dieser gut eingebunden ist.

Was für mich zum Sommer unbedingt dazu gehört ist Grillen. Deshalb sind im zweiten Szenario tatsächlich stark rauchige Whiskys gefragt. Am Grill selbst oder auch beim Verzehr des Grillguts gehören für mich unbedingt stark rauchige Whiskys dazu. Ebenso in den Momenten, in denen die Sonne schon weg ist und man dann gemütlich am Lagerfeuer sitzt. Dort passt nix besser als ein rauchiger Whisky. In bestimmten Aromen Kombination reicht auch ein mittel rauchiger Whisky aber in der Regel sollte es schon stark rauchig sein.

Also habe ich für mich eine Kategorie Sommerwhisky geschaffen und eine Unterkategorie den Grillwhisky oder auch Lagerfeuerwhisky.

Ich weiß was ich letzten  Sommer getrunken habe

Tatsächlich gibt es diese Kategorie Sommerwhisky für mich erst seit letztem Jahr. Dementsprechend hatte ich noch gar nicht so viele Sommerwhiskys auf dem Schirm. Aber zwei Whiskys stachen besonders hervor in diesem Segment. Zum einen der Mackmyra Äppelblom und der Highland Park Spirit oft he Bear. Mackmyra hat ja sowieso eine typische Apfelnote die mir sehr zusagt, aber der im Calvados gefinishte Äppelblom setzt Apfel technisch noch einen drauf. Hinzu kommt eine deutliche Vanille und eine angenehme Holznote. Der Spirit oft he Bear von Highland Park war eine Mischung aus milden Rauch, der toll eingebunden war in einer starken Vanille Süße, dazu dezent Heidekraut. Diese beiden Flaschen haben mich den letzten Sommer oft begleitet.

Es gab noch einige Whiskys die ich leider nur als Sample hatte, die auch einen super Sommerwhisky abgaben. Ein außergewöhnlicher Malt der aber kaum noch zu bekommen ist und wenn dann zu hohen Preisen, war  der Glenmorangie Companta. Es ist schon lange her, als ich den im Glas hatte, aber bei dem hatte ich viele frische Früchte wie Pfirsich, Aprikose und Beeren.

Ein weiterer Malt der in Erinnerung blieb war der Tullibardine 12 Jahre aus dem Rotweinfass für die Hocksheads Gruppe abgefüllt. Ich saß bei bestem Wetter bei den Schwiegereltern, auf der Holzbrücke über dem Teich, Füße im Wasser und eine Zigarre in der einen  Hand, in der anderen den Tullibardine. Ein Whisky mit einer tollen Süße und einem Haufen tropischer Früchte.

Und es war Sommer

Diesen Sommer habe ich mir bewusst einige passende Malts für die warme Jahreszeit zugelegt. Schon über Ostern hatten wir grandioses Wetter und da kam der Deanston 10 Jahre Bordeaux Red Wine Cask Finish häufig zum Einsatz. Viel Vanille, tolle Fruchtigkeit, Pfirsich, Trauben und eine säuerliche Weinnote. Da dieser je wärmer es wurde, schnell verdunstete, musste schon einmal Ersatz her. Den habe ich in dem Tormore 13 von Gordon & Macphail gefunden. Die Nase ist Sommer pur. Mango, Kokosnuss und Ananas. Die beiden letzten hatte ich noch nie so deutlich in einem Whisky. Dazu kommt eine angenehme Holznote, die dem milden Malt ein wenig Kraft verleiht.

Zuletzt sei ein Whisky genannt der einem tollen Experiment entspringt. Der Mackmyra Grön Te. Er hat eine Reifung in Bourbon und Virgin Oak Fässern bekommen und ein Finish in Sherryfässern, die gesättigt waren mit Oloroso und Grünem Tee Blättern aus Japan. Dieser Whisky verdient definitiv das Prädikat Sommerwhisky. Er ist schön mild, mit viel Apfel, Vanille, floralen Noten und einem Hauch grünem Tee. Den letzten Schliff verleiht ihm eine spürbare Holznote.

Generell als Sommerwhiskys tauglich sind auch einige Iren, die entweder nur Bourbonreifung haben oder ein nicht so starkes Sherry oder Port Finish. Oder einfache Malts wie der Glenfiddich 12 Jahre mit seinem starken Apfel und Birnen Aroma.

Der Neandertaler hat Feuer gemacht

In die Rubrik Grill- oder Lagerfeuerwhisky gehören für mich definitiv zwei Malts von Talisker dazu. Mit dem 10er und dem 57*North fühlt man durch ihren maritimen Charakter an ein Lagerfeuer am  Strand versetzt. Gerade der 57* North hat mit seinen 57% noch ordentlich Power dazu. Auch dreckige Raucher mit Kohle und Ascheflavour finden ihre Berechtigung beim Grillen. Deshalb bin ich großer Fan von den Smokehead Whiskys. Gerade der Sherrybomb hat es mir angetan, da dieser sich wirklich erst im Mund richtig wie eine Explosion Stück für Stück entfaltet. Zwei super Standards die immer in Frage kommen sind die beiden 10er von Ardbeg und Laphroaig. Beide beschränken sich auf das wesentliche. Süße und massiven Rauch.

Am Lagerfeuer selbst darf gern noch etwas mehr Klasse und weitere Aromen dazu kommen, deshalb finde ich dort speziell den Ardbeg Uigedail und den Lagavullin Distillers Edition gut, da sie beide noch eine geiles Speck Aroma mitbringen. Der Laphroaig Brodir darf es auch gerne sein, der diesen typischen Laphroaig Rauch mit tollen Portnoten vereint.

Ich wünsche Euch einen tollen Sommer und den richtigen Whisky dazu

Euer Neandertaler