Wow – ein 43-jähriger Scotch aus der Brennerei Caol Ila auf Islay, abgefüllt von Gordon & MacPhail.
Als ich die Flasche in den Shops gesehen habe, war meine Neugier als Fan der Brennerei riesig. Zusammen mit einigen anderen Whiskyliebhabern aus Deutschland und der Schweiz ist eine Flaschenteilung zusammengekommen, gerne möchte ich euch mit diesen Notes meinen Eindruck von diesem Whisky schildern.

Infos zum Whisky und der Brennerei:

84 Flaschen kamen aus diesem Refill Bourbon-Fass, destilliert 1976 kurz nach der Wiedereröffnung der Brennerei nach einem Komplettumbau von 1972-1974. Der Alkoholgehalt ist auch kräftig gesunken und liegt bei lediglich 42,4%. Das könnte skeptisch stimmen, abgefüllt wurde aber von Gordon & MacPhail – für mich, wenn es um Caol Ila geht, ein unabhängiger Abfüller dem ich blind vertraue.
Eine Flaschenteilung war schnell eingestellt und es hat tatsächlich geklappt – zumindest eine der 84 Flaschen wird dem eigentlich Zweck zugeführt und getrunken. Trotz des Preises von 1800€ für eine Flasche.
Was zunächst auffällt beim Entpacken: Die Holzbox ist sehr schön und wirkt edel, die Flasche ist aus schwerem, hochwertigem Glas. Die Dekoration ist mit viel Liebe zum Detail gestaltet:

Dezent ist das Motto auf der Verschlusskapsel zu finden: „The Pursuit of perfection“.
Ob der Whisky diesem Motto gerecht wird?

Nase:

Was direkt nach dem Einschenken auffällt: „Alt“ riecht der nicht. Der Malt hat immer noch spritzig-frische Noten, die sich auch komplett durch die Originalabfüllungen ziehen: Zitrusfrucht (Limette und Grapefruit), etwas grüner Apfel, Meeresbrise.
Das Fass hat aber auch gut gearbeitet und bringt Pfefferminz und Menthol in die Nase.
Rauch ist nur noch wenig da, dieser ist großteils abgebaut, aber es hängt eine ätherische Note im 1920s Blenders Glass. Eine rauchige Note die eher vom Fass zu kommen scheint und an Weihrauch und Räucherstäbchen erinnert, aber sich in dutzende kleine Nebenaromen auffächert.
Holznoten sind auch in der Nase, aber in der zweiten Reihe, sehr dezent: Alte Möbel.
Etwas Zeit im Glas und süße Noten treten stärker hervor, wie Vanille und Mango, Papaya, Banane. Eine Bienenwachsnote, Blütenhonig.
Diese Nase ist in ihrer Komplexität einfach großartig, feine Fassaromen und auch nach der langen Reifezeit kommt noch die Brennerei-DNA durch.
Das trifft ganz genau meinen Geschmack! Die 42,4% wirken zu keiner Sekunde schwachbrüstig.

Mund:

Der Antritt ist sehr, sehr sanft und gediegen. Honig, Bananen und Kokosflocken. Etwas Salz, leicht aschig. Ein Tropenfrucht-Smoothie. Minze und diese getrockneten Orangenstücke, die beim Backen verwendet werden (Orangeat).

Zu keiner Zeit ist der Malt im Mund von Holzaromen dominiert, es ist keinerlei Bitterkeit zu schmecken, hier hat das Refill-Fass schöne Arbeit geleistet und das Destillat nicht erschlagen.

Insgesamt aber ausdrucksschwächer als die Nase und fast ein wenig flach.

Finish:

Mittellang, wieder leichte Holznoten aber gar keine Bitterkeit. Tropische Frucht und Vanille, Menthol.

Fazit:

Die Randdaten haben Erwartungen geweckt, die in der Nase sogar übertroffen wurden. Komplexität und Ausdruckskraft sind bemerkenswert. Im Mund ist ihm die Luft ausgegangen, da wären ein paar mehr Volumenprozent sicher nicht schlecht gewesen.
Für diese Abfüllung in jedem Fall ein „Hut ab“ an Gordon & MacPhail, denen hier eine tolle Gratwanderung zwischen Fassaromen und Destillat gelungen ist.

Wenn ihr noch weitere Meinungen zu diesem Whisky lesen wollt, solltet ihr die Seiten der Kollegen von keinehalbenDrinks und Stills & Malt im Auge behalten, die ebenfalls angedeutet haben ein Review schreiben zu wollen.