Einleitung

Am Mittwoch, den 30.9.2020, hatte The Scotch Malt Whisky Society (SMWS) zum Tasting geladen und ich bin immer noch begeistert. Es war auch mein erstes Tasting bei der SMWS. Zu verkosten galt es sieben verschiedene Whiskies und einen Cocktail, welcher auf einem der Whiskies basierte. Dazu später mehr. Erstmal möchte ich auf die Location und den Moderator zu sprechen kommen. Die SMWS hatte für das Tasting die Boothby’s Bar in der Düsseldorfer Innenstadt ausgewählt, die von
Christian Roß und Daniel Pitthan geführt wird. Die Bar ist stilvoll eingerichtet und wir wurden dort herzlich empfangen. Zur Begrüßung gab es den oben schon erwähnten Cocktail, einen Blood & Sand, leicht variiert. Er bestand aus Whisky, Wermut, Kirschlikör, und dem Saft einer Blutaprikose (eine Kreuzung aus Pflaumen und Aprikosen) verfeiner mit etwas Ingwer. Der Cocktail war lecker, süffig und süß. Durch den Abend führte uns Craig Fyfe, der einer der Brandambassadore der SMWS ist. Er wußte uns für die Whiskies zu begeistern, hat verständlich das Konzept der SMWS beschrieben, konnte auch gekonnt mit der ein oder anderen Anekdote den Abend kurzweilig gestalten und die Gäste sparten auch nicht mit Fragen und Wortbeiträgen, zum Teil in Englisch und in Deutsch. Zur Neutralisation gab es Wasser und Cracker.

Die Whiskies

Jetzt aber zum eigentlichen Thema dieses Beitrags, den Whiskies der SMWS. Allen Whiskies gemein war, dass sie in der Hauptsache in Bourbonfässern reiften, zum Teil erhielten sie aber noch ein Finish. Leider war kein torfiger und/oder rauchiger Vertreter dabei.

12.42 Getting Fruit in the Malt Barn

Nach dem Cocktail galt es den Whisky zu verkosten, welcher im Cocktail enthalten war. Es handelte sich um den „Getting Fruit in the Malt Barn“, einem 10 jährigen Whisky der Brennerei Benriach, welcher ausschließlich im Bourbonfass reifte. Abgefüllt mit 58,9% Vol. ist er weder gefärbt noch kühlgefiltert. Dies ist übrigens allen SMWS Abfüllungen gemein. Er ist süß, fruchtig, floral und weich. In der Nase hatte ich Honig, Malz und florale Noten. Im Mund waren Vanille, Milchschokolade Ahornsirup, Nüsse und Toffee präsent. Unterschwellig eine leichte Würze. Das Mundgefühl wurde allerdings mehr und mehr trocken, was sich auch im Nachklang fortgesetzt hat. Dies war wohl den Taninen geschuldet. Mit etwas Wasser kam noch warmes Apfelgebäck mit Zimt hinzu. Der Nachklang war langanhaltend und von Citrus geprägt. Fazit: Der Whisky ist lecker, mir aber einen Tick zu trocken.

Black Oak

Als zweites kam der Black Oak 8 Jahre ins Glas. Hier handelt es sich um einen Small Batch Single Malt aus der Speyside, der ein Finish in Armagnac Fässern erhielt. Das Besondere an diesen Fässern ist, dass sie sehr stark ausgebrannt wurden und der Whisky somit tief in das Holz eindringen konnte. Zudem sind diese Fässer aus französischer Eiche. Abgefüllt wurde er mit 50% Vol. In der Nase präsentiert sich der Whisky zunächst mit Eiche und Röstaromen, gefolgt von kräftiger, süßer Vanille, weißer Schokolade und Buiscuit. Als Frucht mache ich Aprikosen aus. Im Mund setzen sich die Aromen fort, Äpfel, Nüsse, Karamell und eine leichte Ingwerschärfe kommen hinzu. Unter Zugabe von Wasser sind auch Pfirsiche mit von der Partie. Der Nachklang ist langanhaltend, süß, wärmend und würzig. Fazit: Ein Whisky so ganz nach meinem Geschmack.

39.196 Enriched Geranium

Der dritte Whisky ist 13 Jahre alt, trägt den Namen „Enriched Geranium“ und stammt aus der Linkwood Distillery. Er reifte in einem Refill Bourbon Hogshead und kam mit 59.1% Vol. in die Flaschen. Die Nase ist geprägt von Steinobst wie Aprikosen, Pfirsiche und Pflaumen, aber auch Getreide- und florale Noten. Im Mund kommen weitere fruchtig-süße Noten hinzu. Der Nachklang ist langanhaltend würzig, fruchtig und leicht süß. Fazit: Auch ein Whisky, der mir gut gefällt.

41.129 Kick in the Coconuts

Kommen wir zum vierten Whisky. Er wird umschrieben mit „Kick in the Coconuts“, ist 12 Jahre alt und stammt aus der Dailuaine Distillery. In die Flaschen kam er mit 60.3% Vol., zuvor reifte er im First Fill Bourbon Barrel. In der Nase habe ich viel süße Früchte, etwa reife Aprikosen und Pfirsiche. Vanille, Gewürze wie Zimt und Muskat sowie Karamell kommen hinzu. Im Mund ist er zunächst kräftig und würzig, mit Chili, Ingwer und Zimt. Dann wagen sich auch die fruchtigen Aromen in den Vordergrund. Zu nennen sind da reife Orangen und Äpfel. Kokosnuss und Buttertoffee runden den Geschmack ab. Der Nachklang ist langanhaltend, wärmend und würzig-süß, mit einer schönen Eichenote. Fazit: Einer meiner Favoriten des Tastings. Dailuaine hatte ich bisher noch gar nicht auf dem Schirm. Das wird sich jetzt ändern.

113.28 Porridge Parkour

Auf den Namen „Porridge Parkour“ hört die nächste Abfüllung, welche als fünftes ins Glas kam. Abgefüllt wurde er mit 62,0% Vol. und wurde in der Braeval Distillery (früher Braes of Glenlivet) gebrannt. Reifen durfte er im Bourbonfass. In der Nase habe ich Tannenwald, Haferbrei und Buiscuit. Minze und Kamille kommen hinzu. Mit Wasser wird der Whisky fruchtiger, mit Äpfeln und dezent Pflaumen, verfeinert mit Zimt und Nüssen. Im Mund dann Rosinen, Honig und Gewürze. Der Nachklang wird von Pfeffer eingeleitet, ist langanhaltend und wärmend. Minze ist auch hier mit von der Partie. Anschließend kommt Schokolade auf. Fazit: Die Aromen hätte ich jetzt so nicht erwartet. Für 8 Jahre ist der Whisky schon recht komplex. Mir gefällt er.

112.59 Kaffeepause in der Möbelfabrik

Die Nummer 6 ist ein Whisky, der nur für Deutschland abgefüllt wurde. Deshalb jetzt auch der Name auf deutsch: „Kaffeepause in der Möbelfabrik“. Hier handelt es sich um einen 13 jährigen Inchmurrin aus der Loch Lomond Brennerei. Der Whisky lag 11 Jahre im Bourbonfass und weitere 2 Jahre im Virgin Oak Hogshead. Er wurde mit 63,2% Vol. abgefüllt. Waren die Farben der vorherigen Whiskies eher bei Goldgelb anzusiedeln, habe wir hier einen schönen rotgoldenen Ton. In der Nase habe ich eine kräftige Portion Eiche, Trockenfrüchte, Orangen und Schokolade sowie süße Aromen, die an Sherry erinnern. Das hat mich doch ein wenig überrascht. Im Mund tritt der Whisky kräftig an, Tabak, Leder und wieder Eiche sorgen für ordentlich Würze, Rosinen und Vanillezucker für die Süße. Gibt man Wasser hinzu, habe ich beim Nosing Karamell, Bratäpfel und Früchtekompott. Im Mund wird er dann etwas trockener, mit Anklängen von Balsamicoreduktion. Der Nachklang ist langanhaltend und fruchtig, mit einem Schuss Eiche und Espresso. Fazit: Schön komplex und wahnsinnig lecker. Da musste ich mir direkt eine Flasche bestellen.

7.243 Twinning

Kommen wir nun zum siebten und letzten Whisky. Er war mit 16 Jahren der älteste Vertreter der Tasting-Range. Betitelt wurde er kurz und knapp mit „Twinning“. Twinning bedeutet übersetzt Zwillinge. Dies beschreibt prägnant, dass hier der New Make in zwei unterschiedliche 2.-Fill Bourbon Barrels abgefüllt wurde, dort 15 Jahre reifte und anschließend in einem 1.-Fill PX Sherry But für ein weiteres Jahr lag. Destilliert wurde der Zwilling in der Longmorn Distillery. Beim Nosing mache ich zunächst Aprikosen und Mandarinen aus, die für eine schöne Süße sorgen, gefolgt von Gewürzen und einer schönen Ingwerschärfe. Weitere Früchte, wie Pflaumen, Preiselbeeren und Orangen kommen hinzu. Geröstete Nüsse sorgen für die Röstaromen. Die Aromen setzen sich im Mund fort, abgerundet mit braunem Zucker. Der Nachklang ist würzig und süßlich, mit einer Portion Espresso, Honig, gerösteten Nüssen und Eiche. Fazit: Für mich die Nummer Zwei des Abends.

Mein Ranking:

1 Kaffeepause in der Möbelfabrik

2. Twinning

3. Kicked in the Coconuts

4. Porridge Parkour

5. Black Oak und Enriched Geranium

7. Getting Fruit in the Malt Barn