Der deutsche Gin Markt scheint mit den Jahren immer voller und voller geworden. Jeder noch so kleine Ort bringt inzwischen sein eigenes, ganz spezielles Wacholderdestillat an den Start.
Wie also den Überblick behalten und genau den Gin finden, der zu mir passt? Ich zeige euch in diesem Beitrag meine fünf Underdogs, die zumindest meiner bescheidenen Meinung nach, viel zu wenig Beachtung durch Gin-Enthusiasten und Gastronomie erfahren.

Manege frei und Applaus für Suedmarie!

In Stuttgart bereits bekannt wie ein bunter Hund, kennt man Applaus Gin im Rest der Republik eher weniger. Besonders die Suedmarie Edition hat es mir angetan. Denn hier wurden nur wenige Botanicals verwendet und sich auf das Wesentliche, einen guten, geradlinigen Gin zu produzieren, besonnen.

Aroma: Ein straighter Geruch von Wacholder sticht in die Nase, mit leichten Zitrusnoten folgend. Abgerundet wird der Duft von einer ganz leichten Ingwerschäfe. Nicht zu Komplex in den Aromen, aber auch nicht zu langweilig.

Geschmack: Der Geschmack ist dann eine Wucht! Zitrone, Limone und Angelikawurzel erinnern an Urlaubstage und neben dem typischen Wacholder kommt eine sanfte Frische zum Vorschein.
Für mich schmeckt dieser Underdog wie ein Tag an einem Bergsee auf der Schwäbischen Alp.

Mythisch. Verführerisch, Sagenhaft. Roshain Gin

Von Mythen und Sagen umwoben und ganz in schwarzem Ton kommt er daher – der Roshain Gin. Inspiriert von seiner kraftvoll-sinnlichen Umgebung in der er entsteht, wird der Gin in einer kleinen aber traditionellen Brennerei nahe einer der vielen Burgen im Siebengebirge am Rhein gebrannt.
Bei den Botanicals werden neben Wacholder, Nelken und Sternanis, Zimt und Koriander sowie Fenchel und Piment verwendet.

Aroma: Den Geruch des Roshain Gins würde ich als komplex, aber ehrlich beschreiben. Neben dem kräftigen Wacholder kommen ein sanfter Hauch von Zimt, würziger Fenchel und das Blumige von Lavendel in die Nase.

Geschmack: Am Gaumen überzeugt der Roshain ebenfalls durch seine kräftige Wacholderdominanz, mit einem Hauch von Lakritz, der floralen Süße des Lavendels und einer angenehmen Pimentschärfe eine wirklich gelungene Komposition.

Chabos wissen wer der Ingwer Babba ist

Der nächste Gin in meiner Liste ist deutlich kantiger und wird vermutlich nicht jedem gefallen. Aber er ist halt so wie seine Geburtsstadt Frankfurt.
Mit dem „Beast of Ginger“ hat der Frankfurter Kaffee und Gin Produzent Babba Rossa´s einen Gin auf den Markt gebracht, der seine Genießer*innen umhaut!
Neben Ingwer bildet Orange eine der Hauptbotanicals und sorgt für eine perfekte Ausgewogenheit zwischen sanfter Frische und Schärfe.

Aroma: Der Wacholder bleibt hier ganz klar im Hintergrund. Es dominiert Ingwer im Zusammenspiel mit sanften Zitrusaromen.

Geschmack: Am Gaumen kommt zunächst eine Süße an, bevor der Ingwer seine ganze Wucht entfaltet. Auf der Zunge ist eine leichte Zimtnote zu erkennen und auch eine leichte Fruchtigkeit bleibt nicht verborgen.

Auf die Freundschaft! Huckleberry Gin.

Nicht nur das hochwertige Auftreten des Huckleberry Gins hat mir von Anfang an Zugesagt. Die Idee einen Gin mit Blaubeeren zu destillieren ist nicht neu und wurde von vielen Brennereien als Projekt angedacht. Aber Jens und Max haben genau dieses Projekt zu einem meiner Lieblingsgins umgesetzt. Aber warum finde ich das Destillat mit der Homage an Mark Twains Romanfigur so unglaublich gelungen?
Weil er zwar das Leitmotiv eines ganz speziellen Botanicals mitbringt, aber trotz alledem nicht nur nach eben der einen Beere schmeckt. Er bringt eine fruchtig frische Komplexität mit, die gerade in einem Sommer-Gin & Tonic seinesgleichen sucht.

Aroma: Neben der dominanten Heidelbeere sticht in der Nase auch Wacholder hervor. Auch eine leichte Schärfe von Ingwer und etwas Zimt sind zu vernehmen.

Geschmack: Am Gaumen und auf der Zunge merkt man dann, wie schön der Gin doch komponiert ist. Die fruchtige Heidelbeere wird umspielt von einer kräutrigen Komplexität, leichten Vanillenoten und einer ganz sanften Ingwerschärfe.

London Dry Summer Gin – Bodensee Edition

Aus einer winzig kleinen Brennerei nahe des größten deutschen Binnengewässers entsteht bei Andrea von Brennlust der Limestone London Dry Gin in zwei Editionen. Red und Green. Die Green Edition ist in dieser Liste mein Geheimtipp.
Ein erfrischend sommerlicher Gin, perfekt für die warmen Tage.

Aroma: Ein frischer Geruch von Limetten begleitet das Öffnen der Limestone Flasche. Eine leicht blumige Süße ist ebenfalls zu erschnuppern.

Geschmack: Hier wird die frische Limette durch den Wacholder perfekt ergänzt. Ein leichter, süßlicher Ton bleibt ebenfalls am Gaumen und sorgt für einen unverkennbaren Abgang.