Prolog

Zuletzt habe ich zwei Whiskies verkosten können, welche durch ihre herrlichen Aromen, insbesondere Fruchtaromen, bestechen konnten. Der eine Whisky, ein Blended Malt, reifte in Sherry- und Rotweinfässern, der andere, ein Single Malt, reifte ausschließlich in Sherryfässern.

Die Whiskies

Bei den Whiskies handelte es sich zum einen um den „The Story of the Spaniard von Compass Box“ und zum anderen um den „Edradour 2008/2018 Sea Shepherd by Signatory Vintage“.

The Story of the Spaniard von Compass Box

Es gibt mal wieder einen Blended Whisky, nein, sogar einen Blended Malt ins Glas. Blended Malt deshalb, weil hier nur Malt Whiskies aus den Highlands vermählt wurden. Grain Whisky ist nicht enthalten. Zur Reifung wurden verschiedene ehemalige Wein- und Sherryfässer aus Spanien eingesetzt. Hier die recht genaue Zusammensetzung des Blend:
40% First Fill Sherry Butts einer Brennerei in der Nähe von Aberlour,
25% von Teaninich, der in spanischen Rotweinfässern reifte,
8% Deanston aus dem Refill Sherry Butt,
7% Deanston aus dem Refill Hogshead,
15% eines Highland Blended Malt (bestehend aus Clynelish, Teaninich und Dailuaine). Die Farbe entspricht einem schönen Bernsteinton und er ist nicht gefärbt. In die Flaschen kommt er mit 43% Vol. Nun aber zur Verkostung.
In der Nase habe ich süße rote Beeren, aber auch Brombeeren, Pflaumen und Rosinen. Gewürze wie Zimt, Nelken und Muskat sorgen für einen schönen Kontrast zu den Fruchtnoten, aber nicht als Gegenpart sondern als harmonische Ergänzung. Karamell sorgt nochmal für etwas Süße aber auch Röstaromen.
Das Mundgefühl ist weich, aber nicht wässrig, sondern gehaltvoll. Die dunklen Früchte gewinnen hier die Oberhand, ein Spritzer Zitrus, Waldhonig und eine schönen Würze runden den Whisky ab.
Der Nachklang ist langanhaltend mit Aromen eines Kompott aus dunklen Beeren und süß-saftigen Kirschen, welches mit Vanillesoße gekrönt wurde.
Fazit: Ich bin restlos begeistert. Was eine gelungene Whiskykomposition. Viel Frucht, nicht zu süß, leicht würzig, gehaltvoll, trotz des Runterverdünnen auf 43% Vol. Auch hier wieder der Beweis, dass es nicht immer Fassstärke sein muss. Schön ist auch, dass dieser Blended Malt dauerhaft zur Verfügung steht. Mit ca. 45 € auch zu einem annehmbaren Preis.

Edradour 2008/2018 Sea Shepherd von Signatory Vintage

Auch bei diesem Whisky sind wir in den schottischen Highlands, genauer bei der Edradour Distillery. Dort wurde dieser Whisky gebrannt, welcher von Signatory Vintage im Zeichen der gemeinnützigen Organisation Sea Shepherd abgefüllt wurde. Es handelt sich hierbei um ein Single Cask Bottling, destilliert am 18.06.2008, abgefüllt am 08.11.2018. Das Fass, in dem der 10jährige Edradour seine Vollreifung erhielt, war ein Sherry Cask. 700 Flaschen wurden mit 58.7% Vol. abgefüllt. Der Whisky ist nicht kühlfiltriert und nicht gefärbt. Die dunkle Bernsteinfarbe ist somit natürlichem Ursprungs.
Kommen wir nun zum Verkosten. Nach dem Eingießen und kurzen Schwenken läuft der Whisky in schönen Legs entlang der Glasinnenseite, was auf eine ölige Konsistenz schließen lässt. In der Nase machen sich sofort schöne fruchtige Sherryaromen breit, wie etwa rote und dunkle Beerenfrüchte. Kirschen sind mit von der Partie. Ebenso nehme ich würzigen Tabak, Nüsse, Marzipan und etwas Eiche wahr. Auch eine florale Note schwingt mit. Im Mund dann ein Korb voller Kirschen, aber nicht so süß, wie man vermuten könnte. Das Mundgefühl ist cremig, bzw. ölige und trocken. Ist der Alkohol beim Nosing noch schön eingebunden, schiebt er hier mit Macht nach vorne und sorgt für eine pfeffrige Schärfe und Wärme. Unterschwellig sind die Nüsse spürbar. Eiche ist präsent. Die pfeffrige Schärfe, das wärmend Gefühl und auch die Eiche bestimmen den mittellangen Nachklang. Auch hier ist der Whisky eher trocken und nur verhalten süß.
Fazit: Wer Sherryaromen im Whisky mag, aber eher auf nicht so süße Einflüsse steht, ist mit diesem Whisky genau richtig bedient. Da ich ja auf die süßen Whiskies stehe, könnte man geneigt sein, dass mir der Edradour Sea Sheperd 10 Jahre nicht gefällt, aber weit gefehlt. Er ist halt nicht staubtrocken und weißt schöne Aromen auf, die mir sehr gefallen. Das ist auch ein Whisky für meines Vaters Sohn.

Gesamtfazit

Während ich mir jetzt eine schöne Pfeife rauche, überlege ich das Gesamtfazit und komme zu dem Schluss, dass mir beide Whiskies sehr gut geschmeckt haben. Die Fruchtaromen der beiden Whiskies wissen mir zu gefallen. Da es den „Spanier“ dauerhaft zu bekommen gibt, werde ich mir bestimmt eine Flasche zulegen. Vom Edradour würde ich mir auch gerne eine Flasche gönnen. Ich bin gespannt, ob ich noch eine bekommen kann.