Das „Around the World“ Tasting

Mein letztes Tasting führte mich und meine Gäste einmal rund um die Welt. Unser Motto hieß an dem Abend „Around the World“. Es sollte sechs Whiskys geben, aus sechs verschiedenen Ländern. Wir starteten in den USA, dann ging es nach Schweden, von da ein großer Sprung nach Taiwan, wieder nach Europa nach Island, dann über Japan nach Irland.

Das spannende dabei für mich war, dass ich vier der sechs Whiskys noch nicht gekostet hatte. Eigentlich gehe ich dieses Risiko nicht ein, da ich mich schon selber vorher von der Qualität des Whiskys überzeuge, bevor ich ihn auch im Tasting anbiete. In diesem Fall waren aber einige Abfüllungen, die ich ursprünglich erwählt hatte, nicht verfügbar für mich. So kam auch ein für mich spannendes Experiment bei rum. Und ich konnte diesmal tatsächlich zu hundert Prozent den Whisky mit den Gästen entdecken.

Zur Auswahl

Die Auswahl verschiedener Whiskys habe ich aus unterschiedlichen Beweggründen getroffen. Bei den USA war klar, ich möchte einen Bourbon im Line Up. Denn bei Whiskey und USA ist für mich Bourbon typisch. Jetzt steckte ich aber im Zwiespalt, denn bislang waren meine Begegnungen mit Bourbon eher negativ geprägt und in den Tastings kamen sie auch eher weniger gut weg. Deshalb entschied ich mich für den Woodford Reserve. Er war ein milder Einstieg ins Tasting, was ich grundsätzlich favorisiere. Dann  waren die Bewertungen die ich so mitbekommen habe doch sehr positiv. Als ich dann merkte, dass er auch noch zum Teil Schotte in der Herstellung ist, war klar, dass er mit aufgenommen wird. Der Woodford war also Unbekannte Nummer Eins.

Bei Mackmyra wurde es der Brukswhisky. Die Wahl Mackmyra war für mich logisch, da sie sehr experimentell sind. Der ursprüngliche Whisky den ich nehmen wollte, war leider vergriffen. Es hätte der Svensk Ek werden sollen. Da bei so einem Tasting der Spagat gelingen muss zwischen einem gutem Preis für die Gäste aber auch etwas über bleiben soll  für mich und den Veranstalter, habe ich einfach preislich im selben Segment geschaut und dann überzeugten mich  letztendlich die Notes vom Brukswhisky. Damit stand Unbekannter Nummer Zwei.

Der Dritte im Bunde war der Kavalan Distillery Select. Bei Kavalan war die Wahl nicht allzu schwer, da die meisten Abfüllungen preislich zu hochklassig waren für ein Tasting dieser Art. Generell sollte es ein Kavalan sein, da Taiwan etwas exotisch klingt und bei Anfängern nicht allzu präsent als Whiskyland ist. Der Kavalan war der dritte mir unbekannte Whisky.

Die Entscheidung für einen Floki fiel aus zweierlei Gründen. Zum einen ist Island auch eher ein Exot auf der Whiskykarte, zum anderen wird auch dort viel experimentiert. Ich holte allerdings den Young Malt der offiziell noch kein Whisky ist, da er jünger als drei Jahre ist. Der Sheep Dung war mir dann doch zu experimentell und einen dabei zu haben der noch unter drei Jahre ist, hat auch was spannendes. Den Young Malt hatte ich bereits schon einmal im Glas, aber nur als Sample vor einer Ewigkeit. Ich fand ihn damals nicht schlecht und so untypisch, dass er gut passte.

Der letzte Unbekannte sollte also aus Japan kommen. Da kam ich schnell auf den Nikka from the Barrel. Er ist als Blend wieder was anderes als die Single Malts und der Bourbon. Somit hatten wir einen Unvollendeten, ein Bourbon, ein Blend und drei Single Malts. Zudem traf ich bei meinen Vorbereitungen immer wieder auf das Argument, des doch sehr guten Preis Leistungsverhältnisses.

Die letzte Wahl fiel auf den Connemara, weil ich ihn sehr gut kenne und er immer vorrätig bei mir ist. Zudem ist er Ire und doch heimlich irgendwie Schotte und somit schloss sich der Kreis, wir begannen mit einem halben Schotten und endeten mit einem. So war Schottland präsent, obwohl wir bewusst nicht direkt dort waren.

Bildmaterial gab es übrigens von der deutschen Brennerei The Lübbehusen. Somit war auch Deutschland Thema und die Brennerei war sogar regional.

Das Tasting

Meine Idee von Tastings ist, dass ich mit den Gästen zusammen verrieche, wir uns dann austauschen, dann verkosten und wieder austauschen und erst danach kommen die offiziellen Notes zu dem Whisky, damit wir möglichst unbeeinflusst vorab sind. Am Ende des Abends bewertet jeder die Whiskys nach Platzierungen und am Ende verkünde ich das Gesamtergebnis aller Wertungen.

Dieses Tasting fand an zwei verschiedenen Terminen statt. Bei zwei Flaschen gab es auch einen Einfluss des Sauerstoffes, der zwischen den Terminen in die Flasche kam.

Die Eindrücke der Gruppen fasse ich zusammen. Die Wertungen gebe ich getrennt wieder.

Woodford Reserve

40%, USA, Straight Bourbon, keine Altersangabe (mind. 2 Jahre), frische Eichenfässer kein Farbstoff und keine Kältefiltration.

Eindruck der Gruppe:

Aroma: Sehr mild und weich. Sehr süß. Könnte Vanille und Karamell sein. Aber doch sehr flach.

Geschmack: Ebenfalls sehr mild und süß. Aber auch hier sehr flach.

Abgang: kurz.

Nachtrag zum Unterschied der Abende:

Am ersten Abend fand ich ihn sowohl in Nase als auch im Geschmack sehr flach. Beim zweiten Abend war etwas Fruchtigkeit zu entdecken und er war um einiges süßer und angenehmer. An beiden Abenden kam er in der Gruppe aber nicht so gut weg.

Mackmyra Brukswhisky

41,4%, Schweden, Single Malt, keine Altersangabe, Ex- Bourbon, Finish in Sherry und schwedischer Eiche, Kein Farbstoff, keine Kältefiltration.

Eindruck der Gruppe:

Aroma: Sehr mild, süß, fruchtig, Apfel, Eiche

Geschmack: Mild, süß und fruchtig

Nachklang: Lang, süß anschließend bleibt Eiche

Nachtrag zum Unterschied der Abende:

Beim ersten Abend war die erste Nase geprägt von einer massiven und tollen Süße. Beim zweiten Riechen hatte er eine starke und angenehme Fruchtigkeit, danach wechselten sich die Aromen ab. Beim Verkosten ergab es einen ähnlichen Eindruck mit einem eichigen Finish.

Beim zweiten Abend war sowohl in der Nase als auch im Geschmack nur ein Bruchteil von der Süße und Fruchtigkeit über. Er kam mir relativ flach rüber. Auch die zweite Gruppe war nicht so begeistert von dem Whisky, wie die Gruppe am ersten Abend.

Kavalan Distillery Select

40%, Taiwan, keine Altersangabe, Refill Fässer, Kein Farbstoff, keine Kältefiltration

Eindruck der Gruppe:

Aroma:

Süß, dunkle Früchte, Pflaumen, Rosinen, Sherry, mild, Schokolade, Karamell

Geschmack:

Süße, Karamell, Schokolade, Rosinen, Pflaumen, Sherry, recht komplex aber ausgewogen

Nachklang:

Süß und fruchtig, schokoladig, etwas Eiche

Nachtrag zum Unterschied der Abende:

Dieser Malt wies keine deutlichen Unterschiede an den Abenden auf. Auch in der Bewertung der Gruppen kam er auf ein ähnliches Ergebnis.

Floki Young Malt

47%, Island, noch kein offizieller Whisky da unter drei Jahre alt, Virgin Oak, kein Farbstoff, keine Kältefiltration

Eindruck der Gruppe:

Aroma:

Gras, Heu, Getreide, Gewürze, schwarzer Tee, Süße, Karamell, holzig

Schreinerei oder Bauernhof waren genannte Begriffe

Geschmack: rau, süß, Getreide, wieder Heu oder grasig, holzig und würzig

Nachklang: Lang, würzig und Eiche

Nachtrag zum Unterschied der Abende:

Auch der Floki hat sich nicht wirklich Unterschiede anmerken lassen. Bei beiden Gruppen war aber klar, es ist ein Exot der Ähnlichkeiten zum Bourbon aufweist.

Nikka from the Barrel

51,4% (Fassstärke), keine Altersangabe, Blend, Japan, Mit Farbstoff, Kältefiltration keine Angabe aber sehr wahrscheinlich

Eindruck der Gruppe:

Aroma:

Kräftig aber nicht sprittig, viel Süße, Frucht, Sherry, Karamell, floral, sehr angenehm

Geschmack:

Kräftiger Antritt, sehr süß, sehr komplex, fruchtig, Eiche, gut eingebundener Alkohol.

Nachklang: Süß und am Ende trocken werdend mit Eiche

Nachtrag zum Unterschied der Abende:

Es gab kaum erkennbare Unterschiede. Vielleicht war er ein Tick komplexer am ersten Abend und am zweiten süßer.

Kam beide Abende gut an.

Connemara

40%, Irland, keine Altersangabe, Ex- Bourbon, Mit Farbstoff, Kältefiltration keine Angabe

Eindruck der Gruppe:

Aroma:

Süß, sehr rauchig, modrig, Heidekraut, Kräuter, leicht fruchtig, Speck

Geschmack:

Rauchig aber mild, süß, leichte Frucht, Banane

Nachklang:

Anfangs süß, es bleibt Rauch

Nachtrag zum Unterschied der Abende:

Sowohl für mich als auch bei den Gruppeneindrücken gab es keine nennenswerte Unterschiede. Die zweite Gruppe mochte ihn gesamt etwas lieber als die erste. Es waren aber auch augenscheinlich mehr Fans vom rauchigen Whisky anwesend.

Wertung

Es waren zwei spannende Abende, die mir auch mal wieder bewiesen haben, Luft in der Flasche kann einiges bewirken. In dem Fall einmal eine positive Wirkung und einmal eher eine negative. Zum Ende gebe ich noch einmal die Platzierungen der beiden Abende preis.

Erster Abend:

1. Platz: Mackmyra Brukswhisky

2. Platz: Kavalan Distillers Select

3. Platz: Nikka from the Barrel

4. Platz: Connemara

5. Platz: Floki Young Malt

6. Platz: Woodford Reserve

Zweiter Abend:

1. Platz: Kavalan Distillers Select

2. Platz: Connemara

3. Platz: Nikka from the Barrel

4. Platz Mackmyra Brukswhisky

5. Platz: Floki

6. Platz: Woodford Reserve

Fazit:

Am Ende kann man sagen der Kavalan kam am besten an. Er hatte auch die meisten ersten Plätze am zweiten Abend, hatte aber knapp ein geringeren Durchschnitt als der Erstplazierte.

Der Nikka kam durchgehend gut an. Der Mackmyra scheiterte etwas an seiner schwachen Tagesform beim zweiten Tasting, ansonsten kam er gut an.

Der Connemara zeigte hier, wie bei vielen anderer meiner Tastings, er spaltet die Meinungen. Dieser Whisky ist einer von denen die stark polarisieren. Es fielen öfter Höchstwertungen als auch sechste Plätze.

Der Floki schaffte einige wenige gute Plätze. Sogar ein paar erste Plätze, aber war am Ende im Vergleich zu außergewöhnlich. Der Bourbon ging leider sang und klanglos unter. Im zweiten Tasting gab es sogar nur sechste Plätze mit einer Ausnahme, dass war aber der fünfte Platz.

Generell war mein persönlicher Geschmack, nah beim Durchschnitt der Gruppen.

Euer Neandertaler