Heute möchte ich euch eine Abfüllung aus der Brennerei Wolfburn näherbringen. Falls ihr euch jetzt fragt: „Wolfburn“?

Wolfburn ist eine noch recht junge Brennerei am nördlichsten Punkt der britischen Halbinsel. Produziert wird dort seit 2013 nach traditionellen Herstellungsverfahren. Bereits 1821 gab es an ähnlicher Stelle eine Brennerei namens Wolfburn.

Die Abfüllung

Der Wolfburn Northland wird seit 2016 abgefüllt und ist der Nachfolger des First General Release.

Die Lagerung dieses Malts erfolgte in Ex-Bourbonfässern, genauer gesagt in Quarter Casks. Quarter Casks sind „kleine“ Fässer mit einem Fassungsvermögen von nur 50 Litern. Durch das kleinere Fassungsvermögen hat der Whisky einen wesentlich größeren Kontakt zum Holz, die Reifung erfolgt dadurch wesentlich intensiver und schneller. Es heißt, dass diese Quarter Casks zuvor rauchigen Whisky enthielten. Ich bin gespannt, ob sich dies im Aroma und/oder Geschmack niederschlagen wird.

Abgefüllt wird der Northland mit 46%. Auf den Einsatz von Zuckerkulör und Kühlfitration wird verzichtet. Er trägt keine Altersangabe.

Auf der Flasche prangt übrigens das Wappentier der Brennerei. Es handelt sich um den sagenhaften Seewolf nach Zeichnungen von Konrad Gesner. Gesner war ein Linguist und Zoologe aus dem 16. Jahrhundert. Einer Folklore nach konnte der Seewolf an Land und im Wasser zugleich leben. Eine Begegnung mit diesem Wesen sollte den Menschen Glück bringen.

Was sagt die Nase?

Dieser Whisky ist überaus fruchtig in der Nase. Es überwiegen grüne Äpfel. Begleitet wird dieses Apfelaroma von einer Spur Zitrone. Zu den fruchtigen Aromen gesellen sich Aromen von Vanille und eine tolle Malzigkeit. Insgesamt erscheint der Northland recht jung und leicht in der Nase. Im Hintergrund macht sich auch der rauchige Einfluss der Quarter Casks bemerkbar. Eine wunderbare, filigrane Rauchnote ist in den Wolfburn eingebunden. Fans der überaus rauchigen Vertreter von Whiskys könnten hier vielleicht enttäuscht sein, doch diese filigrane Torfnote hat was und passt überaus gut zu dem doch sonst so jungen und leichten Charakter dieses Malts.

Was sagt der Mund?

Der Northland hat einen überaus milden Antritt. Er ist sehr süß im Mund. Die Vanille und die Malzigkeit aus der Nase finden sich auch im Mund wieder. Begleitet wird das Ganze von einer leicht nussigen Note. Und auch hier liegt im Hintergrund eine leichte, filigrane Rauchnote. Das gefällt mir wunderbar. Nimmt man einen zweiten Schluck, finden sich Eichennoten im Mund, die mit dem Gesamtbild des Whiskys jedoch gut harmonieren.

Nach und nach findet auch eine großartige Assoziation den Weg in meinen Kopf. In der Nase hatte ich „nur“ grüne Äpfel. Im Mund jedoch empfinde ich diese als „saure Apfelringe“. Mega!

Der Abgang ist mittellang, würzig und leicht rauchig.

Was sage ich?

Der Northland ist ein junger, aber dennoch harmonischer und überaus gut ausbalancierter Whisky. Der Einsatz von Quarter Casks, die zuvor rauchigen Whisky enthielten, machen aus einem jungen Whisky einen spannenden Malt.

Wer von Wolfburn bisher noch nichts probiert hat, dem kann ich den Northland getrost empfehlen.

Bis dahin.

Euer

Tim