Zugegeben – Farbstoff im Single Malt Whisky findet kaum jemand cool…

Oftmals greifen Brennereien auf Zuckerkulör E150 zurück, um Farbunterschiede einzelner Chargen anzupassen. Okay, kann man nachvollziehen. Aber ist das allgemein so? Ist es nicht vielleicht möglich, dass man den Farbstoff auch verwendet, um den Whisky bewusst richtig dunkel zu machen?

Eine Abfüllung, bei der ich mir genau diese Frage stelle, ist der Beinn Dubh Flying Scotsman. Aus dem Gälischen übersetzt heisst das soviel wie „Schwarzer Berg„. Der Single Malt Whisky ohne Altersangabe wird in der Speyside Distillery hergestellt, die Ihre Whiskys generell als „SPEY“ abfüllen. Dieser hier erschien als limitierte Edition (10.000 Flaschen, einzeln nummeriert) und wurde zu Ehren der Rückkehr der Dampflokomotive Flying Scotsman ins National Railway Museum kreiert. Beinn Dubh an sich bezeichnet den schottischen Berg Ben MacDhui.

Der Whisky ist in der Flasche effektiv fast schwarz. Ein leichter Rotstich ist zu erkennen, was die Angabe „Ruby Black“ auf dem Etikett richtig wiedergibt. Die Reifung fand in ehemaligen Portweinfässer aus der Josafer Cooperage (Portugal) statt. Diese wurden vor dem Befüllen extrem intensiv getoastet. Daher die Frage: wie stark ist dieser Single Malt Whisky wirklich gefärbt? Und wie riecht/ schmeckt der 43 vol. %er?

Viel Spaß beim Lesen!

Tastingnotes zum Beinn Dubh Flying Scotsman

Farbe: Cola.

Aroma: Direkt präsent ist eine sehr intensive Getreidenote, die einen gerösteten Touch aufweist. Süß, Karamell. Hinzu gesellen sich reife Früchte, die mich an ein Potpourri aus roten Beeren erinnert. Die unterschwellige, florale Note ergänzt sich nach einiger Zeit durch aromatische Eiche, die an Vollmilchschokolade erinnert. Den Farbstoff rieche ich nicht! 😀

Geschmack: Auch auf der Zunge ist der Beinn Dubh pauschal süß. Der malzige Körper war schon in der Nase deutlich. Reife Waldfrüchte deuten sich an, süß und säuerlich im Mix. Die Malznote switcht zwischenzeitlich immer mal zwischen lieblich und kernig/ herb.

Abgang: Mittellang bis kurz. Die anfangs reife Fruchtnote bekommt nun etwas deutlichere Zitrustöne. Ganz kurz blitzt Richtung Abgang der Portwein auf, die Eiche hält im Finish die Balance aus schokoladig und trocken. Hier merkt man, dass der Whisky nicht sonderlich alt zu sein scheint, denn hinten raus ist er sehr schnell weg.

Fazit zum Beinn Dubh Flying Scotsman

Die Farbe täuscht meiner Meinung nach, denn sie erzeugt im Genießer eine gewisse Erwartung, der der Whisky meiner Meinung nach nicht gerecht wird. Es würde mich wirklich brennend interessieren, wie der Single Malt ohne Farbstoff ausgesehen hätte. Denn blende ich die extrem dunkle Farbe aus, ist der Beinn Dubh nicht schlecht! Mild und angenehm – ein Schmeichler. Die Portweinfässer haben viel Einfluss auf den fruchtigen Brennereicharakter gehabt. Die Eiche ist aromatisch. Ich kann beim Geruch und Geschmack nichts bemängeln. Lediglich die Farbe und der Preis von 60 Euro sind meine Kritikpunkte – und zwar große!

Bleibt nur eins als Fazit, was zu tun ist: Augen zu beim Genießen! 😀

Grüße
Pat