2020 war für mich persönlich ein sehr aufregendes Jahr! Ich heuerte bei Feingeist an und trug bis zur Eröffnung im September diesen Jahres aktiv zum Aufbau des Spirituosen- und Zigarrenfachmarkts bei. Abgesehen davon wurde ich als unabhängiger Abfüller aktiv, was neben zwei deutschen Abfüllungen drei tolle Single Casks aus Schottland zur Folge hatte:

Den Anfang machte ein 17 Jahre alter Linkwood, der die volle Zeit in einem Ex-Bourbonfass reifte, welches zuvor rauchigen Single Malt enthielt und dem Speysider an sich neben einer tollen, sauren Fruchtnote eine gewisse Rauchigkeit mit auf den Weg gab. Im Spätsommer folgte ein 11 Jahre alter Caol Ila von der schottischen Insel Islay, der maritimer nicht hätte sein können. In einem Refill-Sherryfass gereift, förderte dies neben der natürlichen Faßstärke die Komplexität und Intensität des Malts. Zuletzt erschien unter meinem Label ein 15 Jahre alter Tullibardine, um dessen Entstehung es in diesem Beitrag geht…

Die Auswahl des Fasses

Das Jahr 2019 endete zusammen mit meiner Beschäftigung bei St. Kilian. Im Dezember war mir klar, dass ich zum einen wieder an den Ort meiner Anfänge nach Mömbris zurückkehren würde. Denn dort sollte das Kapitel Feingeist ein neues Kapitel schreiben. Parallel dazu erhielt ich eine interessante Anfrage aus Schottland. Die Brennerei Tullibardine in den schottischen Highlands ließ mich über den deutschen Vetrieb anfragen, ob ich nicht Lust hätte, die Destille hierzulande als Markenbotschafter zu vertreten! Natürlich ließ ich mich nicht lange bitten, denn ich hatte in diesem Bereich bereits Jahre zuvor bei der schwedischen Brennerei Mackmyra Erfahrungen gesammelt. So startete das Jahr 2020 durchaus erfolgreich in beruflicher Sicht, der Linkwood im Februar und dessen Ausverkauf in wenigen Tagen trug zur Euphorie bei. Kurze Zeit nach dem Erscheinen des Speysiders erhielt ich von einem Zwischenhändler eine interessante Fassprobe: Einen 14 Jahre alten Tullibardine, der die komplette Zeit in einem Oloroso Sherry Hogshead zu 250 Litern reifte. Die Probe ging von der Farbe Richtung Bernstein, war sehr nussig mit cremiger Süße und zarten floralen Noten – tolles Teil! Jedoch wollte ich zu diesem Zeitpunkt warten, bis das Fass das Alter von 15 Jahren erreichen würde, was einige Monate später im Juni der Fall war. Eine Abfüllung des Fasses zu diesem Moment wäre allerdings sinnlos gewesen, denn a) hätte der Verkauf der Flaschen dann im Spätsommer stattgefunden, was nicht zum Charakter des Tullis passte und b) in Konflikt mit dem Release meines Caol Ila gestanden. So entschied ich mich nach Verkostung der Probe dazu, den sherryfassgereiften Highlander im September 2020 in die Flasche wandern zu lassen, um den dann 15 Jahre alten Single Malt im Winter auf den Markt bringen zu können…

Der Tullibardine und der Tag der Abfüllung

Wie geplant verlief die Abfüllung auch. Im September erhielt ich ein Foto vom Bottling in Schottland und war nach dessen Sichtung schockiert! In Reih‘ und Glied standen da die abgefüllten und verkapselten Flaschen, schwarz wie die Nacht der Inhalt! War es möglich, dass das Fass über den doch recht heissen Sommer nochmal einen solch‘ heftigen Impact an den Whisky abgab? Ja! Die Reaktionen der Geniesser, nachdem ich das Foto bei Facebook und Co. postete waren eindeutig – her damit! Selten hatte ich einen derart dunklen Malt gesehen. Meist passiert so ein Farbübertrag durch recht aktive Sherryfässer in kurzer Zeit. Dass aber ein Whisky über die lange Zeit von 15 Jahren step by step diese Farbe erhält kam mir bisher selten unter. Umso schöner, dass dieses Fass mein ganz eigenes war! Und die Tatsache, dass ich hier in Deutschland der Brand Ambassador dieser für die Abfüllung verantwortlichen Destille bin, machte mich unfassbar stolz.

Die Notes zum Tullibardine

Die letzten Monate im Fass hatten den Whisky verändert, nicht nur farblich. Die Nussigkeit und das cremige Mundgefühl blieben erhalten, wurden aber durch eine heftige Fruchtnote in Form von reifen Plaumen (Insider!) und Orangen in den Hintergrund gedrängt. Weihnachtliche Gewürze machten den Single Malt perfekt für den nahenden Winter. Die schokoladige Eiche mit ihrer leichten Trockenheit leistete ihr übriges. Alles in allem eine Sherrybombe vor dem Herrn, voll und intensiv! Perfekt für die kalte Jahreszeit!

Tullibardine 15 geht online

Das Release der dritten Abfüllung unter meinem eigenen Label war für einen Freitag um 10 Uhr frühs geplant. Mein Stolz was diesen Single Malt betrifft äusserte sich in optisch anspruchsvollen Beiträgen in den sozialen Netzwerken in den Tagen vor dem Verkauf. Am besagten Freitag konnte man dann die Luft schneiden um kurz vor 10. Doch was passierte? Ich hatte offensichtlich etwas zu intensiv für die Abfüllung geworben, denn der Feingeist-Server konnte beim besten Willen nicht die krasse Nachfrage um 10 Uhr wegstecken! Die Folge war ein Absturz des Servers über mehrere Stunden. Absturz ist untertrieben – den Server hat es regelrecht zerlegt, denn stellenweise gelangten die potentiellen Kunden sogar ins Installationsmenü unserer Software! Der Stecker musste gezogen werden und der Server ging offline, nachdem es einer Hand voll Geniessern gelungen war, eine Bestellung erfolgreich zu platzieren. Andere fuhren aus Frustration über den misslungenen Bestellvorgang direkt nach Mömbris und kauften den Tullibardine bei Feingeist vor Ort. Mit so einem heftigen Ansturm im Onlineshop hatten wir nicht gerechnet. Die Folge aus diesem Serverabsturz war ein Upgrade der Software, um den massiven Zulauf beim zweiten Versuch verarbeiten zu können. Gesagt, getan.

1 1/2 Wochen später, sollte an einem Sonntag morgen der Tullibardine erneut um 10 Uhr online gehen – diesmal auf einem gestärkten Server. Pustekuchen! Die Nachfrage am Sonntag war nochmal um ein vielfaches höher als beim ersten Anlauf. Und wieder ging der Server in die Knie! Nun musste gehandelt werden, was ein weiteres Upgrade des Servers für 24 Stunden beinhaltete. Und siehe da – es lief! Und wie es lief! Binnen 40 Minuten waren die 200 Flaschen die an diesem Sonntag online gingen ausverkauft. Die 98 anderen hatte ich zuvor bereits vor Ort bei Feingeist angeboten und abverkauft. Welch‘ eine Odyssey! Doch glücklicherweise mit einem Happy End.

Schlusswort

Ich selbst bin ein Mensch, dem Lob und Erfolg nicht viel bedeuten. Ich nehme es zur Kenntnis und es motiviert mich Tag für Tag. Viel mehr zu Herzen nehme ich mir Kritik und Tadel. Nur das bringt mich weiter. Und diverse Fehlschläge beim Verkauf meiner Abfüllungen im Bereich des Technischen lassen mich final zu dem Entschluss kommen, dass ich/ wir noch viel arbeiten müssen, um Euch reibungslos tollen Stoff zugänglich zu machen. Ich bin letztendlich sehr glücklich, dass die Abfüllung so schnell ausverkauft war, die Flaschen in einem Stück bei den Genießern angeliefert wurden und die Bewertungen zum Geschmack durchweg positiv sind.
Für alle, die keine Flasche ergattern konnten tut es mir leid, auch für entstandene Unannehmlichkeiten während den Server Downs entschuldige ich mich. Es wird sicher bald wieder einen Pat Hock Whisky geben. Der dann hoffentlich problemlos zu ergattern ist!

In diesem Sinne – bleibt gesund und geniesst die Zeit mit Euren Familien – vorzugsweise mit einem guten Dram im Glas!

Auf bald,

Euer Pat