Am 05.05.2021 war es endlich soweit. An diesem Abend fand das Thousand Mountains Live Tasting statt. Organisiert und moderiert wurde das Tasting von den Jungs von Simple Sample. „Prominente“ Besetzung auf Seiten der Sauerländer Edelbrennerei waren Thomas Lesniowski (einer der Geschäftsführer der Brennerei) und Sebastian Büssing (Brand Ambassador der Brennerei). Ich konnte sogar meine Freundin als „Nicht-Whisky-Trinkerin“ überzeugen mit mir an diesem Tasting teilzunehmen. 😉

Die Sauerländer Edelbrennerei ist mittlerweile (seit 2016) in einem historischen Sägewerk in Kallenhardt ansässig und produziert verschiedene Whiskys. Und um diese Whiskys sollte es auch an diesem Abend gehen. Die Samples wurden vorab von Simple Sample zur Verfügung gestellt. Der Inhalt des Paketes versprach einen spannenden Abend und eine tolle Rundreise durch das Angebot der Sauerländer Edelbrennerei. Und das Wort „Rundreise“ sollte hier Programm sein. Es sollte eine geschmackliche Reise durch das Portfolio der Brennerei werden.

Worauf konnten wir uns freuen? Bestandteil des Paketes waren die folgendes Samples: der White Raven, der Mc Raven, der Mc Raven – Cask Strength, ein Sample mit einem „?“, der Double Raven #3 und zum Abschluss der Sweet Raven. Ihr merkt, es war von allem etwas dabei. Das für mich Spannende an diesem Tasting war die Tatsache, dass wir beim klaren Destillat (White Raven) anfingen und uns über den McRaven bis zum Sweet Raven vorgearbeitet haben. Dies ermöglichte einen tollen Einblick in die verschiedenen „Entwicklungsstufen“ des klaren Destillates.

Doch nun möchte ich euch nicht weiter auf die Folter spannen und wünsche euch viel Spaß bei meinen Eindrücken 🙂

White Raven

Der White Raven ist der klare Rohbrand, das Herzstück der späteren Whiskys sozusagen. Abgefüllt wurde mit 46,2% um den Rohbrand mit dem späteren Whisky vergleichen zu können.

Aroma

Was ist das? Das riecht ja extremst fruchtig nach Himbeeren. So etwas hatte ich bisher noch nicht im Glas. Man spürt absolut keinen stechenden Alkohol in der Nase. Das Aroma ist einfach nur süß mit der vollen Wucht nach Himbeeren. Ich kann es nicht erwarten zu probieren und bin gespannt was mich hier im Mund erwartet.

Geschmack

Wahnsinn! Auch hier krasse Himbeere. Man könnte meinen man habe einen Obstler im Mund. Da die Brennerei mehrere Brennblasen hat und auch diverse Obstbrände herstellt, drängt sich einem der Gedanke auf, dass dieses Destillat vielleicht in der Brennblase gebrannt wurde, in der zuvor auch Obstler hergestellt wurde. Doch weit gefehlt. Thomas merkte an, dass dieses Destillat in der Brennblase gebrannt wurde, in der ausschließlich die Destillate für die Whiskys der Sauerländer Edelbrennerei gebrannt werden. Respekt für diesen Grundcharakter bzw. Brennereicharakter. Ich nehme noch einen Schluck und nun merkt man eine leichte Getreidenote. Das Destillat ist sehr süß mit einer leichten Spur von Malz.

Mein Fazit zum White Raven

Der Brennereicharakter der Sauerländer Edelbrennerei verspricht so einiges. Pure Himbeere mit einer leichten Getreidenote. Sehr gefällig. Wie wird dieses Destillat wohl schmecken wenn es erst mal ein Whisky ist? Finden wir es raus 🙂

Mc Raven

Der Mc Raven ist der „erste“ Whisky der Sauerländer Edelbrennerei. Mit der fehlenden Kühlfiltration und dem Verzicht auf Farbstoff erfüllt der Mc Raven alle Qualitäten, die ich bei einem Whisky auf dem Papier liebe. Abgefüllt wird der Mc Raven mit schönen 46,2%. Außergewöhnlich ist die Art der Fasslagerung. Viele Brennereien lagern ihren Whisky zunächst in Bourbonfässern und finishen dann in z.B. Weinfässern. Hier geht die Sauerländer Edelbrennerei einen anderen Weg. Der Mc Raven lagert zunächst für ein Jahr in einem ehemaligen Rotweinfass und wird danach für 2 Jahre in Bourbonfässer umgefüllt. Klingt spannend!

Aroma

Toll! Der Whisky ist süß und fruchtig in der Nase. Der Brennereicharakter (Himbeere) ist immer noch präsent und liegt schön im Hintergrund. Wirklich eine tolle Erfahrung. Eine Himbeernote hatte ich in einem fertig gelagerten Whisky bisher noch nicht. Im Hintergrund steigt mir etwas Vanille und eine schöne malzige Note in die Nase gefolgt von einer leichten Eichennote.

Geschmack

Zunächst nehme ich eine leichte Holznote wahr. Es folgt Vanille und kurz danach habe ich auch im Geschmack die Himbeeren wieder. Der Mc Raven ist angenehm süß und wird schön cremig im Mund. Der Abgang ist recht kurz, was aber überhaupt nicht stört. Schon beim nächsten Schluck startet das Aromenkarussel von vorne.

Mein Fazit zum Mc Raven

Ich bin absolut begeistert. Dieser Whisky ist gerade einmal drei Jahre alt und vereint einen absolut tollen Brennereicharakter mit einem tollen Fassmanagement. Die „rückwärtige“ Fassreifung hat hier super funktioniert und hat einen schönen Whisky hervorgebracht. Geht da noch mehr?

Mc Raven – Cask Strength

Es folgt der Mc Raven in Fasstärke. Die Reifung ist identisch zum Mc Raven. Abgefüllt wurde hier mit kräftigen 59,6%.

Aroma

Der Alkohol ist kräftig in der Nase. Auch hier wieder eine tolle Fruchtnote mit etwas Vanille. Im Hintergrund finde ich eine schöne Karamellnote. Dieser Mc Raven braucht ein wenig Zeit im Glas. Gibt man ihm diese dann machen sich Anklänge von dunkler Schokolade im Glas breit.

Geschmack

Heftiger Antritt! Das steigen mit ein wenig die Tränen in die Augen. Der Mc Raven CS ist sehr süß, viel süßer als der Mc Raven. Und was soll ich sagen: Auch hier habe ich wieder die Himbeere, dieses mal jedoch stärker im Geschmack. Der Alkohol verstärkt alle Eindrücke, die ich schon beim „normalen“ Mc Raven hatte. Im Abgang wird der Whisky cremig. Insgesamt ist der Abgang deutlich länger als beim Vorgänger. Im Verlauf des Tastings bekamen wir den Tipp, diesen Mc Raven mal mit etwas dunkler Schokolade zu probieren. Gesagt, getan! Whisky und Schokolade harmonieren toll zusammen. Man könnte meinen ich habe eine „Schnappspraline“ im Mund 😉

Mein Fazit zum Mc Racen – Cask Strength

Der „normale“ Mc Raven war schon klasse. Der Cask Strength legt noch mal eine Schippe obendrauf. Der Alkohol verstärkt alle Sinneseindrücke und macht Lust auf mehr.

Ein toller Rohbrand gefolgt von zwei tollen Whiskys. Kann es noch besser werden? Jaaaaaaaa es kann 😉

Das „?“

Tja was haben wir denn nun im Glas? Das Sample verrät nicht viel. Auf der Flasche prangt ein „?“ und der Alkoholgehalt von 56,4%. Jetzt bin ich gespannt und lausche Thomas bei seiner Erklärung was wir hier im Glas haben. Es handelt sich um ein Projekt an denen das Team der Sauerländer Edelbrennerei zurzeit arbeitet und das „demnächst“ in die Flasche kommen soll. Viel verrät Thomas noch nicht. Nur soviel: Es handelt sich um eine Single-Cask-Abfüllung aus einem 1st-fill Bourbon Cask mit einem Alter von 3,5 Jahren. Bei der Farbe hatte ich schon vorher eine reine Bourbonfassreifung vermutet.

Aroma

Vanille und Malz gefolgt von einer tollen Fruchtigkeit. Natürlich darf auch der Brennereicharakter in Form der Himbeere nicht fehlen. Der Whisky ist angenehm süß. Ich lasse dem Whisky ein paar Minuten im Glas und es steigen mir Aromen nach Banane und Kokos in die Nase. All dies sind klassische Aromen die ich bei einer Bourbonfassreifung erwarten würde. Insgesamt ist das „?“ schon ausbalanciert und angenehm in der Nase.

Geschmack

Wow! Wow! Wow! Heftig cremig und äußerst fruchtig. Auch hier wieder etwas Banane und Kokos. Die Vanille kommt super durch. Dieser Whisky ist absolut gefällig. Den Abgang würde ich als mittellang beschreiben.

Mein Fazit zum „?“

Hier haben wir das absolute Gegenteil zu den Mc Ravens. Die reine Reifung in einem ehemaligen Bourbonfass ist fantastisch. Generell bin ich eher der Fan von Weinfinishes. Aber dieses Single Cask zeigt mal wieder, dass es auch tolle Bourbonfassreifungen gibt. Ich kann es kaum erwarten bis diese Abfüllung in den regulären Verkauf kommt.

Double Raven #3

Als letzter Whisky an diesem Abend folgt der Double Raven #3. Reifen durfte dieser Whisky für drei Jahre in frischen Kenntucky Ex-Bourbon Fässern. Anschließend wurden drei Fässer in einem originalen Ex-Pedro Ximenez Fass miteinander vermählt und einem 6 monatigen Finish unterzogen. Abgefüllt wurde mit 57,9%.

Aroma

Es beginnt fruchtig in der Nase. Das Aroma erinnert mich leicht an grüne Äpfel. Es folgen Vanille und Malz und die obligatorische Himbeere. Der Whisky verspricht bereits in der Nase cremig zu werden. Gibt man dem Whisky ein wenig Zeit entwickeln sich im Hintergrund Aromen nach Maggi bzw. Liebstöckel. Hier merkt man deutlich den Einfluss der PX-Fässer.

Geschmack

Es legt sich eine schöne Würzigkeit auf die Zunge. Insgesamt ist der Whisky sehr süß und vollmundig. Ich nehme einen zweiten Schluck und was ist das? Ich schmecke Milchkaffee. Das gefällt mir sehr gut. Im Abgang wird der Double Raven #3 trocken.

Mein Fazit zum Double Raven #3

Der Double Raven #3 gefällt mir sehr gut. Die Kombination aus Bourbon- und PX-Fässern machen aus diesem Whisky einen tollen vollmundigen Whisky.

Sweet Raven

Der Abend wird mit dem Sweet Raven abgeschlossen. Ein Nachtisch sozusagen. Es handelt sich um einen Whiskylikör mit 25%.

Aroma und Geschmack

Ich fasse Aroma und Geschmack hier zusammen, da diese doch recht identisch sind. In der Nase und im Mund sehr sahnig, was daran liegen mag, dass es sich um einen Sahnelikör handelt 😉 Der Likör ist süß aber auch nicht zu süß. Und jaaaaaaa, auch hier ist wieder die Himbeere dabei. Das gefällt mir wieder richtig gut: Himbeernoten in einem Likör. Im Vergleich zu anderen Likören ist dieser Likör doch auch recht „kräftig“. Man findet nur selten Liköre, die mit 25% abgefüllt werden. Ein Punkt, der mir hier natürlich besonders gut gefällt.

Mein Fazit zum Sweet Raven

Es ist natürlich kein Whisky. Aber als Abschluss für diesen tollen Abend absolut gelungen. Bei vielen Likören habe ich das Problem, dass man doch den recht jungen Alkohol in diesen bemerkt. Beim Sweet Raven ist das anders. Ausgangslage für diesen Likör ist der Mc Raven. Dieser ist als Whisky bereits absolut empfehlenswert, tut es aber auch wunderbar als Grundlage für den Sweet Raven.

Schlusswort zum Abend und den Samples

Vielen Dank an die Jungs von Simple Sample und an Thomas und Sebastian von der Sauerländer Edelbrennerei für diesen tollen und geschmackvollen Abend. Ich fand es unheimlich spannend das ursprüngliche Destillat in seinem „Reifeprozess“ zu verköstigen. Mein absolutes Highlight an diesem Abend war das „?“ (die Single Cask Abfüllung) gefolgt vom Double Raven #3. Danach folgen der Mc Raven CS und der Mc Raven. Noch kein Whisky aber Grundlage für die tollen Whiskys ist der White Raven. Einen Rohbrand zu probieren war eine neue Erfahrung für mich und der Brennereicharakter ist einfach klasse und wird mir nun für immer im Gedächtnis bleiben. Der Sweet Raven als „Nachtisch“ rundete diesen Abend perfekt ab. Meine Freundin wird glaube ich nie zum echten Whiskyfan, aber sie hat alle Samples probiert und bis zum Sweet Raven durchgehalten. Diesen hatte sie sich nach so viel Whisky dann auch redlich verdient 😉

Ich freue mich, wenn es endlich wieder möglich ist, das Team der Sauerländer Edelbrennerei vor Ort im Sauerland zu besuchen und die Brennerei zu besichtigen.

Macht’s gut!

Euer

Tim