Beinahe hätte Viktor Orbán mir bei meinen Plänen mit den Tokaj Fässern einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Andreas, mein guter Freund und Kontakt nach Ungarn rief mich Ende August letzten Jahres an und erzählte mir, dass Orbán wohl die Grenzen zum 01.09. dicht macht. Eigentlich wollte Andreas die Fässer zur Eröffnung des neuen Feingeist Ladens am 04,09.2020 vorbeibringen um anschließend zwei schöne Tage hier zu verbringen. Daraus wurde leider nichts.

Sollte es das mit den schönen Fässern gewesen sein? Nicht mit Andreas. Zu meinem Überraschen kamen nur zwei Tage später die beiden 104 und 106 Liter großen, frisch entleerten Fässer bei uns in Mömbris an und ich konnte mich direkt an die Arbeit machen.

Was soll ich sagen, die Fässer legen eine wahnsinnig tolle Qualität an den Tag. So ein Aromen Spektrum hatte ich noch bei keinem anderen Fass erlebt. Beide Fässer sind Eigenanfertigungen des Winzers Rózsa Ferenc aus dem Jahr 1988 und wurden nach deren Produktion mit Tokaj belegt.

Nach 32-jähriger Belegung mit dem „König der Süßweine“ wollte ich nicht mit einem „jungen“ Whisky in das Fass. Ich entschied mich für den 20 Jahre alten Glenlossie der komplett in einem First Fill Bourbon Fass reifte. Überzeugt hat mich in erster Linie die hellfruchtigkeit und die Vanillenoten dieses besonderen Malts.

Nach drei Monaten und drei Tagen war es endlich soweit. Der Whisky war nun bereit abgefüllt zu werden.

Kommen wir nun zu den Tasting Notes.

In der Nase habe ich Pfirsiche, Apfelsaft, Bananen und Honig. Die Kombination ist sehr ungewöhnlich. Das hatte ich noch bei keinem anderen Single Malt Whisky davor. Die Honigsüße dominiert, lässt aber den anderen Aromen noch den Raum, sich zu entfalten. Spürbar waren außerdem auch Schokolade und zarte Eichenwürze.

Im Mund setzten sich die Aromen aus der Nase fort. Die Kombination aus den Pfirsichen, dem Apfelsaft, der Weinsäure und dem Honig charakterisieren den Whisky. Abschließend rundet die Milchschokolade den Glenlossie ab.

Das Finish ist lang, weich und butterzart.

Was kann ich abschließend zu meinem Glenlossie sagen: Ich hatte vor meinem Tokaj Finish nur ein einziges Mal einen Whisky mit einem vergleichbaren Finish im Glas. Somit war es Neuland für mich. Meine Erwartungen wurden mehr als erfüllt. So ein Aromen-Spektrum hatte ich noch bei keinem anderen Single Malt Whisky davor. Die Intensität der Aromen ist schier der Wahnsinn. Sehr dicht, tief und Komplex.

Ich hoffe ihr habt genauso viel spaß an der Abfüllung wie ich!

Bis Dahin

Euer Marco