Prolog

Im Glas habe ich einen Blend, aber nicht irgendeinen Blend. Es handelt sich um „The Ambassador’s Cask Selection Blended Malt Whisky“ vom „The Spirits Alchemist“ Sebastian Büssing. Mit seinen Ideen bezüglich Whisky ist er dem Stein der Weisen auf der Spur, um aus dem Wasser des Lebens flüssiges Gold zu machen. Jetzt aber genug der Mystik.

Der Whisky

Sebastian ist als Brandambassador für Loch Lomond und der Sauerländer Edelbrennerei unterwegs und bis vor kurzem auch für Mackmyra. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass in diesem Blended Malt Whiskys aus Schottland, Deutschland und Schweden vermählt wurden. Reifen durften die Wässer des Lebens zunächst in Ex-Bourbonfässern, wie lange, ist leider nicht überliefert. Das Finish erfolgte dann in einem Eichenfass, welches zuvor mit Negroni geimpft wurde. Negroni, schon wieder was aus der Alchemisten-Küche? Mitnichten, es handelt sich um einen italienischen Aperitif, welcher zu gleichen Teilen aus Gin, Campari und rotem süßen Wermut besteht. An der Stelle eine kleine Anmerkung von mir: Alle drei Spirituosen des Aperitifs sind so gar nicht meins und genau deshalb hat mich dieser Blended Malt sofort interessiert. Wieder zurück zum Whisky, leider ist auch die Dauer des Finish nicht bekannt. In die 61 Fläschchen (20cl) gelangte er mit 44,7% Vol. Ich habe die 33 ergattern können. Die Farbe entspricht einem dunklen Rotgoldton. Er ist nicht gefärbt und nicht kühlgefiltert.

Nase

Zunächst habe ich eine gehörige Portion Blütenhonig und Vanillezucker, was dem Whisky eine kräftige Süße verleiht. Die Bourbonfässer lassen grüßen. Dann jedoch gesellt sich eine bitter-süße Fruchtigkeit hinzu, die wohl dem Wermut und Campari geschuldet ist. Grapefruit, Blutorangen und Granatapfel finden den Weg in meine Nase, ebenso Gewürznoten. Die verschiedenen Aromen fügen sich zu einem tollen Aromen-Potpourri. Lässt man ihn allerdings länger im Glas und an der Luft, verflüchtigen sich die würzigen Noten und es bleiben nur noch Honig und Vanille übrig. Beim zweiten Dram habe ich auch Shortbread. Der Alkohol ist zu jeder Zeit gut eingebunden.

Mund

Wenn man jetzt denkt, auch im Mund ist der Antritt süß und fruchtig, hat man sich getäuscht. Würzig, kräftig, mit einer leichten Schärfe, so ist der erste Schluck geprägt. Erst nach und nach kämpfen sich die fruchtigen Aromen, die ich auch schon beim Nosing hatte, nach vorne. Dann kommt mit Macht die würzige Eiche, ergänzt von süßen Malzbonbons, Röstaromen und Shortbread. Abgerundet wird das Ganze mit einem Spritzer Zitrone.

Nachklang

Mittellang bis langanhaltend empfinde ich ihn, würzig, wärmend, leicht bittere Noten, wieder Malzbonbons, Eiche und eine pfeffrige Schärfe. Zum Schluss bleibt der typische Wermutgeschmack.

Fazit

Komplex. Speziell. Geil. Punkt.

Müsste ich das Alter schätzen, würde ich ihn bei 5 bis 7 Jahre einordnen. Schön finde ich auch, dass das doch etwas andere Finish den Whisky nicht zu stark überlagert. Ich hatte echt Sorge, dass der Wacholder des Gin zu dominant ist. Dies ist aber nicht so. Ich bin überrascht, dass mir der Whisky so gut gefällt, da ich weder Gin, Wermut noch Campari mag. Aber das sagte ich ja Eingangs schon. Für mich ein gelungenes Experiment.

Epilog

Wie ich im Prolog schon schrieb, hat Sebastian Büssing immer wieder mal Finishes, die etwas gewagter sind oder die es so noch nicht gegeben hat. Einige seiner speziellen Finishes habe ich leider schon verpasst. Ich bin gespannt, was als nächstes Finish angedacht ist. Und so möchte ich mit einem Zitat schließen:

It’s the possibility of having a dream come true that makes life interesting. – Erst die Möglichkeit, einen Traum zu verwirklichen, macht unser Leben lebenswert. Quelle: Paul Coelho https://www.myzitate.de/der-alchimist/