Vor einiger Zeit bekam ich von meinem Eltern, die sich mit Whisky nicht sonderlich beschäftigen, aus dem Urlaub eine Probierflasche eines mir unbekannten Whiskys mitgebracht.

Auf der Flasche prangt in großen Buchstaben „Nomad“ mit dem Zusatz „Born in Scotland and raised in Jerez“.

Ich muss zugeben, dass diese Flasche recht lange in meinem Regal verschwunden und in Vergessenheit geraten war. Doch im Sommer diesen Jahres war es dann soweit. An einem strahlenden Sommertag fand dieser Whisky dann endlich den Weg in mein Glas.

Die Abfüllung und der Weg dorthin

Den Ursprung hat dieser Whisky in Schottland. Schon seit vielen Jahrzehnten verkaufen die Spanier ihre gebrauchten Sherryfässer an die Schotten, die in diesen Fässern wiederum ihre eigenen Whiskys reifen und/oder finishen. Nun dachten sich die Spanier, besser gesagt González Byass, wenn man schon tolle Fässer sein Eigen nennt, wieso dann nicht selber Whisky in diesen Fässern reifen lassen? Für diese Aufgabe holte man sich keinen geringeren als Richard “The Nose” Paterson mit an Bord. Richard Paterson dürfte jedem Whiskyliebhaber als Masterblender von Dalmore ein Begriff sein. So machten sich Antonio Flores, Master Blender von González Byass, und Richard Paterson gemeinsam an das Projekt einen neuen Whisky zu kreieren.

Im Nomad Whisky sind 25 verschiedene Single Malts und fünf Grain Whiskys enthalten, die aus den Lowlands, den Highlands und der Speyside stammen. Eine offizielle Altersangabe trägt der Nomad nicht, doch findet man im Netz die Information, dass es sich um fünf bis neunjährige Whiskys handeln soll.

Die verschiedenen Whiskys werden nun in Schottland miteinander vermählt/verblendet und für etwa ein Jahr in Oloroso-Sherry-Casks gelagert. Danach kommen PX-Fässer zum Einsatz, in welchen der Nomad nochmals für ein Jahr reifen darf. Das besondere hierbei ist, dass die zweite Lagerung nicht mehr in Schottland sondern in Jerez (Spanien) erfolgt. Das spanische Klima, was deutlich wärmer und trockener ist als in Schottland, sorgt nun dafür, dass der Whisky intensiver reifen soll. Angaben zur Färbung und Kühlfiltration werden nicht gemacht, ich gehe jedoch davon aus, dass beides zum Einsatz kommt. In die Flasche kommt der Nomad mit 41,3%.

Da der Whisky nun kurzeitig in Spanien reifte darf sich der Whisky nicht mehr „Scotch Whisky“ nennen. Kurzerhand war eine neue Whiskykategorie geboren, der „Outland Whisky“.

Kann das schmecken? Schauen wir uns das mal an.

Was sagt die Nase?

In der Nase präsentiert sich der Nomad mit einer schönen leichten Malznote begleitet von tollen Sherryaromen in Richtung Trockenfrüchte. Im Hintergrund aber doch recht präsent finden sich leicht nussige Noten, Vanille, etwas Karamell begleitet von etwas Orange.

In der Nase gefällt mir der Nomad schon mal recht gut. Ich bin gespannt was er geschmacklich zu bieten hat.

Was sagt der Mund?

Geschmacklich erweist sich der Nomad als recht intensiv und trotzdem leicht. Je länger man den Whisky im Munde behält desto mehr fragt man sich, ob man einen Whisky oder doch eher ein Toffifee im Mund hat. Der Nomad ist wahnsinnig cremig und sahnig im Mund, begleitet von einer tollen Nussigkeit. Der Abgang ist mittellang, der schöne Karamellgeschmack kleidet den Mund für eine gewisse Zeit, verschwindet dann und hinterlässt einen Rest Würzigkeit.

Was sage ich?

Der Nomad gefällt mir sehr gut. Hätte ich gewusst, dass der „Outland Whisky“ für sein doch recht junges Alter so gut schmeckt, hätte er schon eher den Weg in mein Glas gefunden. Wer auf wirklich schöne Karamellnoten in seinem Whisky steht, der sollte sich eine Flasche des Nomad gönnen. Preislich liegt die große Flasche irgendwo bei um die 30,00 Euro. Hier stimmt das Preis-Leistungsverhältnis definitiv.

Bis zum nächsten Mal!

Euer

Tim