Die Brennerei Annandale in den schottischen Lowlands hat eine Geschichte bis ins Jahr 1830. Damals schon wurde – für die Region untypisch ausschliesslich getorftes Gerstenmalz verarbeitet. Dieses Konzept verfolgte man seiner Zeit bis 1924. Danach war Schluss, denn die Brennerei Annandale wurde in diesem Jahr geschlossen. Erst 2007 erwarb der aktuelle Eigentümer den Komplex und lagerte Ende 2014 das erste Fass mit heranreifendem Whisky ein.
In diesem Beitrag geht es um zwei bereits gereifte Single Malts aus der Brennerei Annandale: Der eine, Man O’Words ohne Torfrauch, der Man O’Swords mit Torfrauch…

Annandale Man O’Words

Der ungetorfte Annandale reifte für 3 Jahre in STR Red Wine Casks (wiederaufbereitete Rotweinfässer) und ist in hoher, natürlicher Faßstärke von 62,1 % vol. Alkohol abgefüllt. Die wertige und schwere Flasche ziert eine goldene Feder, die Abfüllung an sich den Beinamen „Founders‘ Selection“.

Farbe: Helles Rotgold

Aroma: Einerseits durch die 3-fache Destillation sehr zart, durch den hohen Alkoholgehalt allerdings in gewisser Art und Weise intensiv. Süßlich, Assoziationen nach Frischkäse, Anklänge frischer Eiche mit leichtem Einfluss des Ausbrennens der Fässer und zarte Süße eingekochter, roter Früchte. Mit Wasser entwickelt der Man O’Words eine heftige, fast schon brauseartige Süße, die aber nach einer Zeit nachlässt und dem Whisky Platz für herb-malzige Töne lässt.

Geschmack: Sehr kräftig, süß mit malzigen Noten, Zitrusfrüchten und leicht trockener Eiche. Mit Wasser ebenfalls süße Brause, etwas herbes Getreide und unreife Birnenaromen.

Abgang: Lang, Mix aus süß, säuerlich und trocken, Eiche mit einem Hauch von roten Beeren im Finish. Der hohe Alkoholgehalt an sich belegt im Nachgang den Mundraum sehr stark. Hier spürt man das geringe Alter nach dem ersten, heftigen Antritt besonders.

Annandale Man O’Sword

Der getorfte Annandale reifte für 3 Jahre in STR Red Wine Casks (wiederaufbereitete Rotweinfässer) und ist ebenfalls in hoher, natürlicher Faßstärke von 61,9 % vol. Alkohol abgefüllt. Die ebenfalls wertige und schwere Flasche ziert ein silbernes Schwert, die Abfüllung an sich ebenso den Beinamen „Founders‘ Selection“.

Farbe: Helles Rotgold

Aroma: Sehr mild und fein in der Nase, leichter bis mittelkräftiger Torfrauch mit erdigem Einschlag. Zarte Süße und Anflüge von Äpfeln machen den Malt sehr rund. Mit Wasser bekommt der Single Malt eine künstliche Erdbeernote, die mich an den pinkfarbenen Hustensaft erinnert, den ich als Kind eingeflößt bekam.

Geschmack: Kräftig, trocken und süß zugleich. Kalter, fast schon aschiger Rauch baut sich auf. Leichte Kräuternoten neben einer dezenten Bitterkeit der bereits spürbaren Eiche kommen hinzu. Mit Wasser ist der Man O’Sword genau richtig. Die alkoholische Schärfe geht beiseite, man schmeckt alles angenehmer ohne dass „Komplexität“ verloren geht.

Abgang: Lang, erdig und sehr aschig, dezente Kräutertöne und Anklänge bitterer Eiche überdecken eine leichte Jugend.

Fazit zu den beiden Single Malts aus der Brennerei Annandale

Butter bei die Fische: Jeweils 99,90 € (UVP) für Single Malts mit einem Alter von lediglich drei Jahren ist krank. Wunderschöne Flasche hin oder her!

Viele neue Brennereien greifen bei ihren ersten Abfüllungen auf diese STR Casks zurück. Shaved, toasted and re-charred. Also reaktivierte Rotweinfässer. Macht Sinn, denn diese Fässer nehmen durch die neue Kohleschicht, die das Destillat filtert und weicher macht viel Schärfe in den ersten Jahren und geben darüber hinaus auch ein gewisses Maß an „frischer“ Eiche ab. in der Daube selbst findet sich noch die Vorbelegung durch den Rotwein, was dem New Make eine gewisse Fruchtigkeit verleiht. Ich würde wohl nicht anders reifen/ abfüllen bei meinem Erstlingswerk. Allerdings ist die Preisentwicklung verrückt. Nc’Nean hat bewiesen, dass man auch für 55 Euro einen 3-jährigem releasen kann. Annandale ist für mich hier ein Beispiel dafür, welcher Preis nicht hinter den ersten Single Malts stehen sollte.

Der Ungetorfte ist für die 3 Jahre gut gereift. Aber das sind Whiskys, die es mit dem Alter aktuell in die Flasche schaffen zugegeben alle. Man merkt stellenweise das sehr junge Alter und im Falle des Man O’Words frage ich mich, wieso man nicht einfach noch ein paar Jahre wartet.

Der Getorfte hat mir deutlich besser gefallen. Sehr schön mild und rauchig präsentiert er sich. Der Rauch ist allerdings sehr aschig und speziell, was man mögen muss. Geschmacklich ist hier aber für mich sonst nichts auszusetzen.

2020 war ein Jahr voller Abfüllungen. Gefühlt das Jahr, indem die meisten Whiskys erschienen sind – jeden Alters. Die Preise gehen rauf. Und wenn 3-jährige 100 Euro kosten bin ich persönlich raus. In diesem Fall hat mir ein Gläschen von jeder Abfüllung gereicht um mir eine Meinung zu bilden.

In diesem Sinne, bleibt gesund!
Pat