Innerhalb des heutigen Beitrags verkoste ich 10 (!) Einzelfassabfüllungen des unabhängigen Abfüllers Mc Crae’s.

Die Single Malts innerhalb dieser Abfüllungen stammen aus dem Fasslager von Hunter Laing & Co. Ltd. Hier stehen unglaubliche 15.000 Fässer zur Auswahl der McCrae’s Single Cask Bottlings. Die Firma gehört Stewart H. Laing, der seine Ausbildung in der Bruichladdich Distillery auf Islay begann und später im väterlichen Betrieb Douglas Laing & Company tätig wurde. Nach dem Tode des Vaters Frederick Laing 1982 leiteten die beiden Brüder das Familienunternehmen gemeinsam weiter. 2013 trennten sich die beiden Brüder und Stewart H. Laing gründete seine neue Firma. Viel Aufsehen erregte er durch die Eröffnung der Ardnahoe Distillery auf der schottischen Insel Islay.

Doch genug gequatscht – ran an den Speck!
(Auf dem Bild des Beitrags seht Ihr 7 der 10 verkosteten Abfüllungen)

Benrinnes 2009 (7yo), Single Refill Hogshead, 46 % vol.

Farbe: Klar +1

Aroma: Zu Beginn verspüre ich eine leicht alkoholische Note, dahinter hat der Benrinnes eine markante Würzigkeit. Anklänge von unreifer Birne und Malz im Rohzustand gesellen sich hinzu. Sehr unterschwellig vernehme ich einen Mix aus Süße und Säure.

Geschmack: Sehr mineralisch erscheint mir dieser Speysider auf der Zunge. Kerniges Getreide kommt hinzu und – ist das Torfrauch? Untermalt wird der Geschmack von ätherischen Ölen und Birnenschale.

Abgang: Mittellang, herb-malzig, milde Kräuternote und tatsächlich ein Fünkchen Torfrauch.

Fazit: In einem Benrinnes hatte ich effektiv bis zu dieser Abfüllung noch keinen Torfrauch. Möglicherweise war das Refill Hogshead einst mit rauchigem Whisky befüllt. Würde hier die Rauchigkeit erklären. Gefällt mir. Abgesehen davon passiert hier aber nicht allzu viel. Ich persönlich hätte den Single Malt noch fünf weitere Jahre liegen lassen, denn so mit seinen sieben Jahren ist er mir zu einfach. Preis 47,99 Euro, Punkte gebe ich ihm 3,5/10.

Mortlach 2010 (9yo), Single Refill Hogshead, 46 % vol.

Farbe: Klar +2

Aroma: Auch hier verspüre ich als erstes eine leicht alkoholische Note. Typisch für Mortlach rieche ich eine säuerlich-süße Fruchtigkeit, die mich an Sternfrucht erinnert. Hinzu gesellen sich Aromen von Sesam, milden Gewürzen und Anklängen einer reiferen Frucht, die ich als Pfirsich deklarieren würde.

Geschmack: Sehr fruchtig mit Pfirsich und Sternfrucht, getragen von einem schönen Mix aus Süße und Säure. Zarte Kräuter kommen auf der Zunge dazu, die mich in Kombination mit der Süße an die bekannten Bonbons aus der Schweiz erinnern.

Abgang: Mittellang, die Kräuter halten sich recht lange. Leicht trocken von der Malznote hinten raus mit mild ausklingender Fruchtnote im Finish.

Fazit: Auch dieser Speysider hätte noch ein paar weitere Jahre im Fass vertragen können. Aber – trotz all‘ der Einfachheit – er trinkt sich gut. Ich schätze den Brennereicharakter von Mortlach sehr, der hier smooth zum tragen kommt. Eine Kräuternote in der Intensität hatte ich selten bis gar nicht bei Mortlach vor dieser Abfüllung. Preis 44,99 Euro, Punkte gebe ich ihm 4,5/10.

Glengoyne 2008 (11yo), Single Refill Hogshead, 46 % vol.

Farbe: Klar +2

Aroma: Sehr frisch mit grasigen Noten, saure Drops und einer zuckrigen Süße. Grüne Äpfel untermalen den Geruch, sehr mild und leicht mit Anklängen von Sanddorn.

Geschmack: Auch auf der Zunge extrem mild. Die markante Süße spielt angenehm mit der kernigen Malznote, grüne Äpfel mit säuerlicher Kante und zarte Gewürze gesellen sich hinzu. Und auch hier – ein Hauch Rauch?

Abgang: Mittellang, Säure und Süße in der Balance. Die Malzigkeit bekommt Richtung Finish eine trockene Tendenz, zarte Eiche und ein Fähnchen Torfrauch.

Fazit: Neulich erst habe ich das Video zum original abgefüllten Glengoyne 12 Jahre gedreht (Video folgt). Und auch da stellte ich bereits einen ganz leichten Torfrauch fest. Der war allerdings so marginal, dass ich im Video an sich nicht weiter darauf eingegangen bin. Hier habe ich ihn wieder. Grade soviel, dass man ihn wahrnimmt. An sich ist der Glengoyne sehr frisch und jugendlich von seiner Aromatik. Wenig bis kein Fasseinfluss. Aber der Brennereicharakter gefällt mir. Ich denke, ich gehe mal auf die Suche nach einem First Fill Bourbonfass der Brennerei. Preis 44,99 Euro, Punkte gebe ich ihm 4,5/10.

Inchgower 2008 (12yo), Single Bourbon Barrel, 59.8 % vol.

Farbe: Fahles Stroh

Aroma: Die Faßstärke spürt man, der Alkohol schiebt gut auf die ersten Riecher, was einen kühlenden Effekt zur Folge hat. Ätherische Öle machen sich breit, hinzu kommt eine zarte Kokosnote, Nelke und Orange. Der Geruch ist sehr fein und filigran, allerdings riecht der Speysider nach ein paar Tropfen Wasser nur noch blumig, alles andere geht verloren.

Geschmack: Die knapp 60 Umdrehungen führen zu einen kräftigen Antritt. Orangen und Malz im Mix. Auch hier finden sich die ätherischen Öle wieder. Dahinter eine sehr aromatische Eiche, die einen leichten Holzrauch bei mir assoziiert. Mit Wasser switchen die Öle in reine Kräuter, dieser Holzrauch wird markanter. Leinsamenöl blitzt auf der Zunge auf.

Abgang: Mittellang, sehr einfach mit mild ausklingender Kräuternote und einem Hauch trockener Eiche.

Fazit: Wasser tat dem Inchgower gar nicht gut. An sich ist der Speysider sehr einfach gereift. Dennoch hat er mich irgendwie gecatcht, denn er ist trotz des hohen Alkoholgehalts sehr fein und weich. Ändert aber nichts an der Tatsache, dass auch diesem ein paar Jahre mehr im Fass gut getan hätten. Auch finde ich den Preis für das Gebotene deutlich zu hoch. Preis 81,99 Euro, Punkte gebe ich ihm 4,5/10.

Mortlach 2007 (13yo), Single Sherry Butt, 52.7 % vol.

Farbe: Bernstein

Aroma: Assoziation nach Holzleim, Gurkenwasser und Kapern – what the f*ck?

Geschmack: Sehr süß mit braunem Zucker und einem Hauch Karamell. Hinzu gesellen sich Kaugummis, die die man aus dem Automaten in der Kindheit kennt. Ein Hauch von Haselnüssen ist auf der Zunge spürbar. Mit Wasser wird der Whisky süsser und malziger.

Abgang: Mittellang bis kurz, Anklänge von getrockneten Feigen und zart ausklingender Kaugumminote im Finish,

Fazit: Auf den hatte ich mich im Vorfeld am meisten gefreut. Aber bitte, was war das für ein Sherryfass? Die Nase ist sowas von merkwürdig. Geschmacklich solide, wenn auch für mich kein Highlight. Wasser veträgt er, ändert aber nicht den Geruch. Preis 76,99 Euro, Punkte gebe ich ihm 5/10.

Tamdhu 2000 (20yo), Single Refill Hogshead, 52.2 % vol.

Farbe: Sehr fahles Stroh

Aroma: Sehr tiefe Malznote, untermalt von einer Assoziation nach Tabak. Die Gewürze sind zu Beginn mild, gewinnen aber an Intensität. Eine markante Blumigkeit macht sich bemerkbar, die mich an Moschus erinnert. Eiche ist für das hohe Alter sehr verhalten.

Geschmack: Richtig kräftig rollt der Tamdhu über die Zunge. Ingwer und Pfeffer tragen mit ihrer Schärfe ihren Teil dazu bei. Reife Birnen und Äpfel spielen angenehm mit der Malznote.

Abgang: Mittellang, Birnenschale sehr markant. Eiche mit dezentem Mix aus trocken und bitter im Finish.

Fazit: Wenn ein Fass tot ist, ist es tot. Da nutzt einem der beste New Make nichts! Und Tamdhu hat ein klasse Destillat. In diesem Fall reifte er zwei Jahrzehnte in einem Fass, dass für mich nicht mehr sonderlich viele an Aromen abgab. So alt und so eindimensional – schade. Preis 112,99 Euro, Punkte gebe ich ihm 5,5/10.

Blair Athol 1997 (23yo), Single Sherry Butt, 50 % vol.

Farbe: Heller Bernstein

Aroma: In der Nase verspüre ich einen aromatischen Mix aus Süsse und Würze. Sesam finde ich auch hier wieder. Die Fruchtnote erinnert mich an reife Birnen, die man auf den Grill packt. An sich sehr mild im Geruch, untermalt von geröstetem Getreide und einem Hauch Schwefel.

Geschmack: Sehr nussig legt der Highlander auf der Zunge los. Auch geschmacklich ist der Sesam präsent und erinnert mich in Kombination mit einer süsslichen Brotigkeit an Burgerbrötchen.

Abgang: Mittellang bis kurz, Burgerbrötchen und ein Hauch von nussiger Eiche.

Fazit: Der Fast Food-Whisky. So banal es klingt, aber er erinnert mich komplett an die Burgerbrötchen mit Sesam oben drauf. Auch das geröstete Getreide ist sehr markant. Aber an sich? Der Abgang ist trotz des hohen Alters von 23 Jahren nahezu nicht vorhanden. Blind hätte ich dem Blair Athol eher 15 Jahre und weniger unterschrieben. Preis 126,99 Euro, Punkte gebe ich ihm 6/10.

Glen Moray 1996 (24yo), Single Refill Barrel, 53.2 % vol.

Farbe: Gold

Aroma: In der Nase legt der Speysider direkt mit einer Assoziation nach Heu los. Frisch mit zarter Karamellsüsse, Anflügen von Nelke. Etwas mineralisch nach einer Weile, Traubenzucker verstärkt die Süsse. Eiche nehme ich wahr, die einen etwas kohligen Einschlag hat.

Geschmack: Mild auf der Zunge. Traubenzucker auch hier deutlich, grasig-frische Noten gesellen sich hinzu. Sehr getreidig.

Abgang: Mittellang bis kurz, eine süsse Malznote spielt mit einem Hauch von Apfelschale. Leicht trockene Eiche im Finish.

Fazit: Ganz ehrlich? Ich finde das Cabernet Finish von Glen Moray besser. Und dieser Whisky kostet 25 Euro! Urteil dasselbe wie beim Tamdhu – wenn Fass tot, dann tot. Preis 142,99 Euro, Punkte gebe ich ihm 5/10.

Caol Ila 2010 (10yo), Single Bourbon Barrel, 46 % vol.

Farbe: Sehr fahles Stroh

Aroma: Caol Ila-typischer Torfrauch mit einem Mix aus nussig und süss. Kräuter kommen in der Nase dazu, der Whisky bekommt einen medizinischen Einschlag nach mehrfachem Riechen.

Geschmack: Mild legt er los. Süssliche Aromen, die in Kombination mit der Malznote an Frühstücksflocken erinnern. Der Rauch ist kräftig und hat maritim-frische Kanten.

Abgang: Mittellang bis kurz, der Torfrauch klingt zart aus.

Fazit: So schnell der Caol Ila auf der Zunge da ist, umso schneller ist er wieder weg. Die Nase gefällt mir gut und ist typisch für die Brennerei. Wenn man den Preis im Hinterkopf hat, greife ich da effektiv lieber auf andere Islay-Malts zurück. Preis 84,99 Euro, Punkte gebe ich ihm 3,5/10.

Caol Ila 2010 (8yo), Single Port Barrel, 59.5 % vol.

Farbe: Helles Rosé

Aroma: Dezente Schokonote und Nüsse spielen mit einem toll eingebundenen Torfrauch. Kräuter auch hier sehr markant, ebenso die maritime Kante. Mit Wasser entwickelt der Caol Ila eine tiefe Fruchtnote, die mich an eine rote Saftschorle erinnert. Ausserdem verstärken sich die Kräuter.

Geschmack: Nussig und süss legt er auf der Zunge los. Das Malz ist kernig, die prickelnde Säure vom Wein bildet einen schönen Kontrast.

Abgang: Mittellang, Anklänge von roten Johannisbeeren, kräuterbetonter Torfrauch und eine Spur trockene Eiche.

Fazit: Hat schon was. Aber der Preis? Preis 105,99 Euro, Punkte gebe ich ihm 5/10.

Schlusswort und Ranking

Leider kann ich persönlich diesen zehn Abfüllungen wenig bis gar nichts abgewinnen. Gerne hätte ich hier eine Empfehlung ausgesprochen, auch weil der ein oder andere Single Malt dieses unabhängigen Abfüllers preislich durchaus attraktiv zu sein scheint. Was sich mir allerdings innerhalb der Verkostung offenbarte ist die Tatsache, dass die Whiskys für mich entweder zu jung sind oder in nahezu toten Fässern reiften. Oder beides. Mein Ranking innerhalb der Abfüllungen:

  1. Blair Athol 23yo 6/10
  2. Tamdhu 20yo 5,5/10
  3. Mortlach 13yo 5/10
  4. Caol Ila 8 5/10
  5. Glen Moray 24yo 5/10
  6. Inchgower 12yo 4,5/10
  7. Glengoyne 11yo 4,5/10
  8. Mortlach 9yo 3,5/10
  9. Caol Ila 10yo 3,5/10
  10. Benrinnes 7yo 3,5/10

Grüße
Euer Pat