Außergewöhnliches Chocolate Malt, drei verschiedene Fassarten, ein solides Alter von 16 Jahren – da wird man als Whisky-Liebhaber neugierig. 2020 brachte die Highland-Destillerie Fettercairn den 16-jährigen Single Malt auf den Markt. Die Neuerscheinung ist keine Überraschung, denn die Brennerei hat bereits 2018 eine komplette Neuauflage der Range in Gang gebracht: So bildet der 12er den Grundstock der neuen Abfüllungen. Die 28, 40 und 50-jährigen Whiskys wiederum sind dem Premiumbereich zuzuordnen. Fettercairn schließt nun mit dem 16-jährigen Whisky die große Lücke zwischen dem 12er und 28er. Die Flasche ist mit der Jahreszahl 2020 versehen, sodass man auf 2nd Release 2021 hoffen darf.

Preislich ist die Flasche nicht ganz ohne: Im Sommer gab es die 700 ml Flasche für 70 Euro und die 1000 Liter Flasche für 95 Euro. Mittlerweile sind beide Flaschengrößen kaum mehr in den Geschäften zu finden, entsprechend ist der Preis leider angestiegen.

Was darf man erwarten?

Hellhörig wird man als Whisky-Liebhaber sofort, wenn man Chocolate Malt liest. Fettercairn ließ sich mit diesem außergewöhnlichen Malz eine Besonderheit einfallen, die ich sonst nur von Glenmorangie Signet kenne. Um Chocolate Malt herzustellen, werden die Gerstenkörner zum Keimen gebracht und anschließend getrocknet. Das daraus entstandene klassische Malz wird nun zusätzlich geröstet. In Deutschland kennt man dieses Malz vor allem bei der Verwendung von Kaffeeersatzprodukten wie Malzkaffee (umgangssprachlich „Muckefuck“) oder beim Brauen von Schwarzbier.

Dieser Chocolate Malt Spirit wurde nun in First Fill American Ex-Bourbon Casks gereift. Sein Finishing bekam er in Sherry- und Portwein-Fässern. Abgefüllt ist der Fettercairn 16 in Trinkstärke mit 46,4 % Alkohol. Außergewöhnliches Chocolate Malt, drei verschiedene Fassarten und ein solides Alter von 16 Jahren. Bei der Verkostung darf man große Komplexität und viele herbe Geschmacksnoten erwarten. Punktabzug muss ich jedoch bereits vor der Verkostung machen: Trotz 16 Jahren Alters und einem zweifachen Finish in Weinfässern ist der Whisky gefärbt – Schade.

Bei der Verkostung dürfte man herbe Noten vom Malz sowie Fruchtigkeit von den beiden Weinfässern erwarten. Diese beiden Faktoren, gepaart mit 16 Jahren Altern, werden dem Single Malt eine stattliche Komplexität verleihen.

Wie riecht der Whisky?

Eine starke Fruchtigkeit zieht direkt in die Nase, welche mich an reife Kirschen und Fruchtkompott erinnert. Herbe Noten folgen mit Anklängen von Zartbitterschokolade folgen. Leichte Eichen- und Vanillenoten sind am Ende erkennbar. Man braucht eine Weile, bis man alle Aromen verinnerlicht hat. Mit der Zugabe von ein paar Wassertropfen kommen vor allem malzig-leiche Aromen zum Vorschein.

Wie schmeckt Fettercairn 16?

Wie beim Riechen ist zuerst der Obstkompott auf der Zunge. Nach wenigen Sekunden folgt ein heftiger Schlag von herben Espressonoten. Die Zugabe von Wasser wiederum macht den Whisky meines Erachtens zu leicht, sodass die 46,4 % Alkohol genau richtig sind.

Es folgt schließlich ein langanhaltender würzig-herber Abgang, welcher auf der ganzen Zunge kaum nachlassen will.

Mein Fazit

Eines muss man bei meiner Bewertung berücksichtigen: Ich bin großer Fan von Whisky aus Portwein-Fässern. Und in der Tat ist der Portwein-Einfluss erkennbar, wenn auch nur gering. Der Fettercairn lebt vor allem von seinen starken herben Noten, sodass er wenig ausbalanciert ist. Beeindruckend ist, dass nach den dunklen Früchten zu Beginn plötzlich heftige herbe Noten – wie ein Schlag ins Gesicht – folgen. Der Whisky ist definitiv nichts für Anfänger. Seinen ursprünglichen Preis von 70 Euro in der 700 ml Flasche ist er auf jeden Fall wert. Ich würde für solch eine Flasche auch mehr Geld ausgeben. Und in der Tat: Der neue Fettercairn 16 bietet viele Facetten und eine fette Überraschung auf der Zunge und in der Nase.