Die Brennerei Tobermory auf der schottischen Insel Mull macht schon guten Stoff – egal ob rauchig (Ledaig) oder nicht rauchig (Tobermory)!

Heute darf ich einen nicht rauchigen Vertreter aus der 1798 gegründeten Destille probieren: den Tobermory 12 Jahre mit Manzanilla Finish!

Eckdaten des Tobermory 12

Der Single Malt Whisky ist laut Etikett 12 Jahre alt und reifte zuerst in ehemaligen Bourbonfässern. Danach wurde für eine Nachreifung umgefüllt in ehemalige Manzanilla-Fässer. Manzanilla wird ausschließlich im spanischen Sanlúcar de Barrameda aus Mosten der Palomino-Fino-Rebe gekeltert. Er gehört zu den Sherrys, genauer gesagt zu den trockenen Finos und zeichnet sich geschmacklich durch eine gewisse Salzigkeit aus, die mit Säure und Holz spielt. Leider weiß man nicht, wie lange hier nachgereift wurde. Bekannt sind der Alkoholgehalt von 46,3 Umdrehungen, natürliche Farbe und fehlende Kühlfilterung. Ab ins Glas damit!

Tastingnotes zum Manzanilla Finish

Farbe: Helles Kupfer. Dafür, dass Manzanilla tendenziell eher hell ausfällt, hat er schon eine verhältnismäßig satte Farbe bekommen.

Geruch: Wow! Ein Traum! Wunderbarer Mix aus salzig-würzigen Noten und intensiver Malzigkeit! Zarte Eiche spielt mit den Rosinen, hinzu gesellen sich intensive Röstnoten, die an sehr stark bis zum Ende gebackenes Brot erinnern, stellenweise schon verbrannt. Unterschwellig vernehme ich eine Fruchtnote, die mich an Datteln erinnert. Tolle Nase!

Geschmack: Auf der Zunge manifestiert sich eine Balance aus trocken und süß. Im Anschluss macht sich eine sehr pfeffrige Würzigkeit breit, die fruchtigen Datteln bilden einen schönen Kontrast. Geschmacklich für mich leider nicht ganz so rund, harmonisch und elegant wie noch zuvor in der Nase.

Abgang: Mittellang, hier sind die Rosinen allgegenwärtig. Die bereits gerochenen Röstnoten finden sich wider, unterschwellig Nektarine, die ich vom damals 10-jährigen bestens kenne und schätze. Im Finish wird der Manzanilla mit seiner leicht holzig-trockenen Aromatik markant. Würde hier noch eine spürbare Salzigkeit hinzukommen und mit der Süße spielen (im Sinne von Salty Caramel) – ich wäre hin und weg!

Fazit zum Tobermory mit Manzanilla Finish

Ich muss sagen, dass ich der Nase eine glatte 1 gebe! Wunderbar ausbalanciert, das Finish perfekt und bewusst auf den Punkt gebracht. Geschmacklich wirkt er auf mich aber etwas unrund, denn das Aroma versprach mir persönlich etwas anderes. Butter bei die Fische – ich jammere hier auf hohem Niveau. Klasse Whisky, tolles Finish! Ich hätte mir tatsächlich diese salzige Karamellnote gewünscht. Denn nehme ich einen Whisky als Referenz, beispielsweise den Ardbeg Ardbog, der ebenfalls den Einfluss von Manzanilla Casks erfahren hat und eben dieses Salty Caramel aufzuweisen wusste, suche ich es hingegen im Tobermory vergeblich. Aber gut, man kann nicht alles haben. Der einzige wirkliche Kritikpunkt ist der Preis: 85 Euro finde ich zuviel! Wert wäre mir der Whisky von der Isle of Mull eher 60 Euro. War aber definitiv eine tolle Erfahrung, da man Reifungen und Nachreifungen in Manzanilla Casks nicht allzu oft findet. Erklärt sicher auch irgendwo den aufgerufenen Preis. Probieren kann man den Highlander definitiv mal!

Grüße
Pat