Fakten:

  • Name: Gilors – PX Sherry
  • Abfüllung: Original
  • Destille: Gilors
  • Abfüller: Brennerei Henrich
  • Charakter: Single Malt
  • Region: Hessen / Deutschland
  • Destilliert: 07.2011
  • Abgefüllt: 08.2021
  • Alter: 10 Jahre
  • Alkoholgehalt: 60,1% Vol.
  • Fassnummer: L21020
  • Fassart: PX Fass & Islay
  • Flaschenzahl: 783
  • Flaschennummer: -/-
  • Inhalt: 0,5l
  • Farbstoff: Nein
  • Kühlgefiltert: Nein

Allgemein:

Hinter Gilors, was frei aus dem Gälischen „Goldenes Wasser“ bedeutet, stecken die beiden Brüder Holger und Ralf Henrich, die den elterlichen Betreib „Obsthof am Berg“ 2010 übernommen haben. Beheimatet ist der Betrieb mit der Obst- und Single Malt-Brennerei in Kriftel, Nahe Frankfurt. Näheres erfährt derjenige, der sich über die beiden obigen Links durch die Seiten leiten lässt.

Der Gilors 10 Jahre war der erste deutsche Whisky, der mit diesem Alter meinen heimischen Bestand bereichert hat. Kurz danach wurde er um eine zweite deutsche Brennerei bereichert, die ebenfalls einen Zehnjährigen anbieten konnte. Ich habe mit dem Alter dieser Abfüllung das Verrinnen der Zeit erkannt und auch, wie lange ich schon mit Whisky Kontakt habe. Eins zwei drei, im Sauseschritt, es eilt die Zeit, wir eilen mit.

Optik:

Die Farbe des bisher ältesten Whiskys aus Kriftel tendiert zu einem bekannten Farbton im Ebenholzbereich, zu Mahaghoni.

Aroma:

Beim ersten Schnuppern am Glas, kommt jedem Whiskygenießer das PX Fass zuerst an die Nase. Und eine Note, die meist bei dieser Fassart zu finden ist, darf Liebstöckel genannt werden. So mancher kennt es als Maggikraut, da es den Duft der bekannten Speisewürze ausstrahlt. Bleiben wir noch beim Pedro Ximénez. Gedörrte Datteln und Feigen machen sich bemerkbar, auch Röstnoten machen keine anstalten sich zu verstecken. Zwischendrin kitzelt die Fassstärke an den Innenseiten der Nase. Eine ganz feine Grasnote will dem Glas entkommen. Manchmal habe ich den Eindruck, dass im Hintergrund Menthol im Spiel ist. Es passiert selten und ist auch nur kurz festzustellen. Das Islay-Fass ist weniger präsent, aber zwei Aromen konnte ich hierzu finden. Sehr selten kreuzt Schinkenspeck säuerlicher Torf den Weg der Nase.

Geschmack:

Der Antritt ist von Süße und pfeffriger Würze geprägt. Sehr schnell wird es cremig und ölig. Die Süße ist fruchtlastig und wird von dunklem Obst gebildet. Pflaumen und dunkle Beeren zeichnen sich dafür verantwortlich. Durch den Quervergleich mit der Internetseite von Gilors, kann ich den Bittermandelgeschmack bestätigen. Ich werde dafür noch Dunkelschokolade dazu. Trotz des Alkoholvolumens wird der Mund nicht ausgetrocknet, im Gegenteil, ich finde eher, dass der Speichelfluss größtenteils angeregt wird. Wenn er einmal stoppt, dann tritt leichter Torfgeschmack zu Tage.

Abgang:

Den Abgang möchte ich einmal so beschreiben. Mit viel Süße aus den beschriebenen Früchten startet dieser, bereit einen langen Weg zu gehen. Am Ende wartet die Dunkelschokolade um die Lunte für ein kleines Feuerwerk anzuzünden. Denn wenn der Mund geöffnet wird, entsteht eine Gewürzexplosion durch Pfeffer, dass die Nacht zum Tag werden lässt.

Schlusswort:

Was für ein Wahnsinnsteil! Wäre ich Jim Murray himself, von mir gäbe es 96 Punkte in der Whiskybibel. In einem Blindtasting unter schottischen Destillen versteckt, würde niemand Deutschland als Ursprungsland zuordnen. Wenn ich mir das Aroma und den Geschmack, bzw. den gesamten Whisky betrachte, dann gibt es im gelobten Land eine Brennerei, die Ähnliches bietet, daß wäre für mich GlenDronach. Ich habe mittlerweile genug Einzelfassabfüllung der Highlanddestillery im Glas gehabt, um diesen Vergleich ziehen zu dürfen. Dieser Single Malt aus der Brennerei Henrich ist für mich eine geniale Bereicherung des heimischen Bestandes. Eines ist gewiss, ein Brennereibesuch ist längst überfällig. Nach dem 10 Jahre alten Single Malt, müsste eigentlich als Topping ein Besuch der Brennerei folgen, mit abschließender Hand Filled. Das wäre eigentlich die Krönung.