Ihr seid Whisky-Liebhaber und genießt ab und zu das eine oder andere Glas leckeren Rotwein? Dann könnte dieser 10-jährige Deanston vielleicht interessant für euch sein.

Die in den Highlands gelegene Brennerei Deanston hat zugegebenermaßen nicht jeder gleich auf dem Schirm. Sie wurde bereits 1965 gegründet und liegt direkt am Fluss Teith, dessen Wasser die Brennerei für ihren Whisky und zur Stromerzeugung nutzt. Neben der lokal verwendeten Gerste setzt die Destillerie auch bei ihren Whiskys auf Natürlichkeit, denn diese werden ohne Farbstoff und nicht kühlgefiltert abgefüllt. Darüber hinaus haben die meisten Deanston Whiskys eine deutlich erhöhte Alkoholstärke. Der 12-Jährige aus dem Standardsortiment hat beispielsweise bereits einen Alkoholgehalt von 46,3 Prozent. Grundsätzlich sprechen die Eckdaten und vor allem die Naturbelassenheit ihrer Whiskys bereits für die Destillerie und sind heutzutage alles andere als selbstverständlich. Besonders die erhöhte Alkoholstärke gefällt mir gut, denn nicht selten werden Whiskys aus dem Standardsortiment auf 40 Prozent herunterverdünnt, was ihnen oftmals Aromen nimmt.

Der 10-jährige Deanston aus dem Bordeaux-Rotwein-Fass wird ebenfalls mit den für Deanston typischen 46,3 Prozent abgefüllt und darüber hinaus nicht kühlgefiltert oder gefärbt. Bevor der Single Malt 2 Jahre im Rotweinfass gefinisht wurde, lag dieser 8 Jahre in klassischen Bourbon-Fässern. Die Kombination klingt also schon mal verheißungsvoll.

Dieser Deanston war übrigens ursprünglich ein “Travel Exclusive”, was bedeutet, dass es ihn nur im Duty Free gab. Glücklicherweise ist er mittlerweile recht gut bei Händlern verfügbar und mit 40 bis 50 Euro ebenfalls bezahlbar. Ob er allerdings sein Geld wert ist, erfahren wir jetzt.

Tasting des Deanston 10 Jahre Bordeaux Red Wine Cask

Farbe

Gold mit einem leichten Rotstich

Aroma

Der Deanston 10 Jahre beginnt für mich mit klassischen Rotwein-Aromen in Form von intensiven süßen roten Früchten. Ein Potpourri aus unterschiedlichen Beeren und Waldfrüchten liegt in der Nase, die mich mit ihrer leicht säuerlichen Note im ersten Augenblick an Johannisbeeren erinnern. Neben den Früchten riecht der Whisky sehr süß mit viel Honig und eine etwas künstliche Fruchtgummi-Note schwingt ebenfalls mit. Hinter den roten Früchten vernimmt man ziemlich deutlich das Bourbonfass mit seinem vanilligen Charakter. Die Kombination ist wirklich himmlisch. Darüber hinaus blitzt immer wieder die Trockenheit und der Geruch des Rotweins leicht auf, wobei ich ihn nicht als dominant wahrnehme. Hier merkt man wieder, dass ein Rotweinfass vor allem für Finishes gut geeignet ist und dem sonst so jungen Whisky aus dem Bourbonfass ziemlich deutlich seinen Stempel aufdrückt.

Neben diesen Aromen ist die Würzigkeit des Whiskys eher im Hintergrund – für mich steht vor allem die Fruchtigkeit, Süße sowie die Vanille im Vordergrund. Die 46,3 Prozent Alkohol sorgen für Intensität und sind super eingebunden.

Geschmack

Sobald der Whisky das erste Mal die Zunge berührt, wird er cremig. Er ist nicht ganz so süß wie die Nase vermuten lässt, allerdings ist der Honig und die Vanille auch hier sehr präsent. Ich schmecke einen roten Apfel sowie diverse Beeren und meines Erachtens ist die Trockenheit des Rotweins im Geschmack etwas deutlicher zu spüren. Er ist nicht penetrant, sondern unterstreicht die Aromen. Neben den Früchten schmeckt man Schokolade und eine sehr milde Würzigkeit. Grundsätzlich würde ich den Whisky auch im Geschmack nicht als sehr würzig beschreiben. Er gefällt mir wirklich gut und auch hier merkt man, wie gut die beiden Fassarten harmonieren.

Abgang

Im Abgang setzt sich wieder der Rotwein durch und der Whisky wird etwas trockener. Der Geschmack hält sich lange in Form von stark kakaohaltiger Schokolade, Holz und Vanille, welche sich an der hinteren Zunge festsetzen. Ich würde den Abgang als mittellang bezeichnen.

Fazit

Ein wirklich klasse Whisky! Für mich ist der Deanston ein kleiner Geheimtipp, denn er macht Spaß und ist mit seinen 40 bis 50 Euro bezahlbar. Besonders Rotwein-Fans, die es etwas süßer mögen, werden bei diesem Single Malt auf ihre Kosten kommen. Der sehr fruchtige Charakter mit der Vanille aus dem Bourbonfass harmoniert sehr schön und die Trockenheit vom Rotwein dominiert zum Glück nicht zu stark, sondern unterstreicht die Aromen gezielt. Des Weiteren freue ich mich, dass Deanston diesen Whisky mit 46,3 Prozent abgefüllt hat, denn das sorgt für Intensität und macht den Whisky auch für erfahrene Genießer interessant. Wer kein Fan von Rotwein ist, sollte sich vorher ein Sample zulegen.