Der erste Single Malt Whisky, den ich vor vielen Jahren bewusst verkostet habe war ein Glenlivet 12 Jahre. Die Tage hatte ich Ihn nach all‘ dieser Zeit, die mittlerweile ins Land gegangen ist (neben dem ein oder anderen Tropfen) mal wieder im Glas…

Mein Erstkontakt

Ich erinnere mich als wäre es gestern gewesen. Das Internet durchstöbernd auf der Suche nach einem einfach zugänglichen Whisky aus Schottland. In diversen Foren wurde einem Einsteiger der Glenmorangie 10 Jahre sehr häufig nahegelegt. Aber dieser war mir damals für 29,99 Euro schlicht und einfach zu teuer – obwohl ich gestehen muss, dass mir rein optisch der Highlander schon ziemlich gut gefallen hat. Eine weitere Empfehlung war der Glenlivet 12 Jahre. Diesen suchte ich nun im Netz und fand Ihn auch für knappe 25 Euro – im Set mit zwei Tumblern. Dass diese Gläser suboptimal für den hochwertigen Genuss sind, wusste ich damals schon. Allerdings handelte es sich hier um solche, die sich nach oben hin von der Form verjüngten. Dies ist wichtig – und einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul! Bestellt.

Das erste Mal probieren

Ich war aufgeregt, als ich die Flasche endlich mit der Post zugestellt bekam. Am Abend wurde Sie auch direkt geöffnet. Die erste Nase zauberte mir ein alkoholisches Brennen ins Riechorgan – alles andere als schön. Geschmacklich setzte sich das fort. Nein, gefallen hat mir dieser Single Malt Whisky beim ersten Mal probieren definitiv nicht! Auch beim zweiten Mal war das jenseits jeglichen Genusses. Mir gefiel die Spirituose nicht, der Alkohol zu mächtig, das Holz zu stark. Zu diesem Zeitpunkt spielte ich ernsthaft mit dem Gedanken, die Flasche bei eBay zu verkaufen, da mir der Whisky so gar nicht gefiel. Ich zwang mich fast zum Genuss, da ich nicht einsehen wollte, dass mir der Whisky nicht taugt. Und siehe da: Irgendwann konnte ich den Alkohol in der Nase ausblenden und roch tatsächlich so etwas wie eine Birne, Nüsse, Süße. Wow! Ich war geflasht und bestellte direkt zwei andere Single Malts als Referenz. Ab diesem Zeitpunkt war es um mich geschehen – ich war dem Wasser des Lebens verfallen!

Re-Verkostung

Vor kurzem machte ich mit meiner Freundin eine Radtour. Mit an Bord eine Miniatur des aktuellen Glenlivet 12 Jahre, den ich im Vorjahr während meiner Schottlandreise vor Ort in der Brennerei kaufte. Die Optik hatte sich etwas verändert. Die Flasche war nun klar und nicht mehr grün eingefärbt. An einer schönen Parkbank mit Blick auf den Main war es nun an der Zeit, den damaligen Erstkontakt mit dem Uisge Beatha Revue passieren zu lassen. Ich goss mir einen Dram aus der Miniatur ein. In der Nase erschien mir der Speysider nicht anders als damals. Die Birne hatte ich direkt, hinzu gesellte sich ein Apfel. Angenehme florale Noten machten den Tropfen in der Nase sehr rund. Nach kurzer Suche entdeckte ich auch die damals markante Nussigkeit, die durch die merkliche Eiche aber einen eher bitteren Einschlag hatte. Diese Bitterkeit stellte für mich den einzigen Unterschied zum alten 12-jährigen dar. Geschmacklich spiegelte sich im Wesentlichen das Gerochene wider, allerdings inklusive dieser prägnanten, nussigen Bitterkeit, die weder mir noch meiner Freundin zusagte.

Fazit

Der Glenlivet 12 ist nicht verkehrt. War damals ein Whisky für Einsteiger. Er ist es auch heute noch. Allerdings war mir die Eiche bei der aktuellen Abfüllung etwas zu dominant und bitter. Tatsächlich tendiere ich unter diesem Aspekt dann doch eher zum Konkurrenten Glenfiddich 12. Der hat meiner Meinung nach dieses bittere nicht. Die Fahrradtour an diesem Tag war auf jeden Fall sehr schön und führte mich whiskytechnisch an meine Anfänge zurück.

Gruß
Pat